„Du weißt nichts,“ sagte der Kettenhund, „aber du bist ja auch erst vor Kurzem zusammengeklatscht! Das, was du jetzt siehst, heißt der Mond, und das was unterging, war die Sonne. Sie kommt morgen wieder und wird dich dann schon lehren in den Wallgraben hinunter zu laufen.“

„Ich verstehe ihn nicht,“ sprach der Schneemann bei sich selbst, „aber ich habe eine Empfindung davon, daß es etwas Unangenehmes ist, was er mir andeutet. Sie, die er die Sonne nennt, ist meine Feindin.“

„Weg, weg!“ bellte der Kettenhund, ging dreimal im Kreise um sich selbst und legte sich dann in sein Haus, um zu schlafen.

Es trat eine Veränderung im Wetter ein. Ein dicker und feuchter Nebel legte sich am

Morgen über die ganze Gegend. Kurz vor Aufgang der Sonne fing es ein wenig an zu wehen. Der Wind war eisig, der Frost durchschüttelte einen, aber welch ein herrlicher Anblick bot sich dar, als sich nun die Sonne erhob! Alle Bäume und Sträucher standen mit Reif bedeckt da. Die Gegend glich einem ganzen Walde weißer Korallen. Es war, als ob alle Zweige von blendend weißen Blüten bedeckt wären.

Es war eine wunderbare Pracht. Als dann die Sonne schien, funkelte alles, als wäre es mit Diamantstaub überschüttet.

„Ach wie herrlich das ist!“ sagte ein junges Mädchen, welches mit einem jungen Manne in den Garten hinaustrat und gerade neben dem Schneemanne Halt machte, von wo sie sich die schimmernden Bäume anblickten. „Einen schöneren Anblick hat man selbst im Sommer nicht!“ sagte sie, und ihre Augen strahlten.

„Und so einen Kerl, wie diesen hier, hat man erst gar nicht,“ entgegnete der junge Mann und zeigte auf den Schneemann hin. „Er ist ausgezeichnet!“

Das junge Mädchen lächelte, nickte dem Schneemanne zu und tänzelte dann mit ihrem Freunde über den knirschenden Schnee.

„Wer waren die Beiden?“ fragte der Schneemann den Kettenhund. „Du bist älter auf dem Hofe als ich, kennst du sie?“