„Au!“ schrie der eine, indem er sich an der Stopfnadel stach. „Das ist ja ein schlimmer Bursche!“
„Ich bin kein Bursch, ich bin ein Fräulein!“ erwiederte die Stopfnadel, aber niemand hörte es. Der Siegellack hatte sich abgelöst und deshalb hielt sie sich für noch feiner als zuvor.
„Da kommt eine Eierschale angesegelt!“ sagten die Knaben und steckten dann die Stopfnadel fest in die Schale.
„Weiße Wände und selbst schwarz!“ sagte die Stopfnadel, „das kleidet gut! Nun kann man mich doch sehen! — Wenn ich nur nicht seekrank werde, denn sonst breche ich noch mehr!“ Aber sie wurde nicht seekrank und brach nicht weiter.
„Es ist gegen die Seekrankheit doch gut, wenn man einen stählernen Magen hat und dabei immer eingedenk bleibt, daß man etwas mehr als ein Mensch ist! Bei mir ist es nun vorüber; je feiner man ist, destomehr kann man aushalten!“ — „Krach!“ stöhnte die Eierschale, während ein Lastwagen über sie hinging. — „Ach, wie das drückt!“ seufzte die Stopfnadel. „Nun werde ich doch seekrank; ich breche, ich breche!“ Aber sie brach nicht, trotzdem sie von einem Lastwagen überfahren wurde, sie lag der Länge nach da — und da mag sie liegen bleiben.
[Tölpelhans.]
Draußen auf dem Lande in einem alten Herrenhof lebte ein Gutsbesitzer, der zwei so kluge Söhne hatte, daß sie um die Tochter des Königs freien wollten und das durften sie, denn dieselbe hatte bekannt machen lassen, daß sie denjenigen zum Gemahl nehmen wollte, der sich am gewandtesten und klügsten mit ihr unterhalten könnte.