„Dank, Dank!“ sagte der Kaiser. „Du himmlischer kleiner Vogel! Ich kenne dich wohl! Dich habe ich aus meinem Lande und Reiche gejagt! Und doch hast du die bösen Gesichter von meinem Bette weggesungen, den Tod von meinem Herzen weggeschafft! Wie kann ich dir lohnen?“

„Du hast mich belohnt!“ sagte die Nachtigall. „Ich habe deinen Augen Tränen entlockt, als ich das erstemal sang: das vergesse ich nie! Das sind Juwelen, die ein Sängerherz erfreuen! Aber schlafe nun und werde wieder frisch und stark! Ich werde dir etwas vorsingen!“

Und sie sang — und der Kaiser fiel in einen süßen Schlummer. Ach! wie mild und wohltuend war der Schlaf!

Die Sonne schien durch die Fenster zu ihm herein, als er gestärkt und gesund erwachte. Keiner von seinen Dienern war noch zurückgekehrt, denn sie glaubten, er sei tot, nur die Nachtigall saß noch bei ihm und sang.

„Immer mußt du bei mir bleiben!“ sagte der Kaiser. „Du sollst nun singen, wenn du selbst willst, und den Kunstvogel schlage ich in tausend Stücke.“

„Tue das nicht!“ sagte die Nachtigall. „Der hat ja Gutes getan, so lange er konnte! Behalte ihn wie bisher! Ich kann im Schlosse nicht mein Nest bauen und bewohnen, aber laß mich kommen, wenn ich selbst Lust habe; da will ich des Abends auf dem Zweige dort beim Fenster sitzen und dir etwas vorsingen, damit du froh werden kannst und gedankenvoll zugleich! Ich werde von den Glücklichen singen und von denen, die da leiden! Ich werde vom Bösen und vom Guten singen, was rings um dich her verborgen bleibt! Der kleine Singvogel fliegt weit umher, zu dem armen Fischer, zu des Landmanns Dach, zu jedem, der weit von dir und deinem Hofe entfernt ist! Ich liebe dein Herz mehr als deine Krone, und doch hat die Krone einen Duft von etwas Heiligtum um sich! — Ich komme, ich singe dir etwas vor! — Aber eins mußt du mir versprechen.“ —

— „Alles!“ sagte der Kaiser und stand da in seiner kaiserlichen Tracht, die er selbst angelegt hatte, und drückte den Säbel, welcher schwer von Gold war, an sein Herz.

„Um eins bitte ich dich! Erzähle niemand, daß du einen kleinen Vogel hast, der dir alles sagt, dann wird es noch besser gehen!“

Da flog die Nachtigall fort.