Abb. 68. Tanzpause. Ölgemälde von 1870. In Privatbesitz in Dresden.
(Photographieverlag von Gustav Schauer in Berlin.)
Abb. 69. Abreise des Königs Wilhelm zur Armee 1870. Ölgemälde von 1871. In der Nationalgalerie zu Berlin.
(Photographieverlag von Gustav Schauer in Berlin.)
Im Jahre 1864 schuf Menzel wieder eines jener künstlerisch ausgestatteten Schriftblätter, wie er deren in seiner Jugend manche gezeichnet hatte, in dem „Diplom Ihrer Königlichen Hoheit der Frau Kronprinzessin als Ehrenmitglied des Schießvereins der Offiziere der Potsdamer Garnison.“ Aber während bei den früheren Blättern verwandter Art der künstlerische Schmuck sich auf die Einfassung des geschriebenen Textes beschränkt hatte, bemächtigt sich hier der Stift des Künstlers der Schrift selbst, die auf einem aufgehängten Teppich, der einen Blick freiläßt auf den Schießstand, wo der Kronprinzessin Viktoria der Ehrensessel vom Vorstand dargeboten wird, angebracht ist. Der Wortlaut der Urkunde ist scherzhaft gehalten, und Menzel begleitet diesen Text mit scherzhaften Einfällen, die denselben in der Gestaltung der Buchstaben oder in deren Ausschmückung fast Wort für Wort illustrieren. So sitzt in dem ersten Buchstaben, dem D von „Diplom“, der von den Kugeln stark mitgenommene, aber trotzdem als lebendiges Wesen auftretende Zieladler, der mit seiner Klaue das Pünktchen auf das i setzt; der Anfangsbuchstabe von „Ehrenmitglied“ ruht auf einem Kissen und ist mit einem Lorbeerkranz geschmückt, die Buchstaben des Wortes „Offizier“ sind auf einen Degen gereiht, diejenigen von „Schießverein“ verschwinden in Pulverdampf, die Worte „1. Garde-Regiments zu Fuß“ sind mit Gardelitzen geschmückt und das G trägt außerdem noch den Gardehelm. Und so geht es weiter; mit sprühendem Mutwillen wird der scherzhafte Ton des Diploms hervorgehoben, indem zum Beispiel die Worte „hoher Vorstand“ sich stolz über die Zeile hinausrecken, oder indem bei den Worten „weitberühmten Schießvereins“ der erste Buchstabe mit Pfauenfedern geschmückt ist und vor und hinter diesen Worten die Schützen fremder Völker tiefe Verbeugungen machen. Die Worte „Frau Kronprinzessin“ treten durch die feine künstlerische Schönheit ihrer Ausschmückung hervor: das Wort „Frau“ ist von einem liebenswürdigen Völkchen reizender kleiner Puttchen umgaukelt, in dem K zeigen sich unter der Krone vereinigt der preußische Adler und der Löwe und das Einhorn des großbritannischen Wappens. Das künstlerische Spiel mit dem Sinn der Worte ist durchgeführt bis zum Schluß, wo im Datum das P von „Potsdam“ mit einer Ansicht des Neuen Palais geschmückt ist.
Abb. 70. Ehrenbürgerbrief der Stadt Berlin für Fürst Bismarck. Wasserfarbenmalerei von 1872.
(Photographieverlag von Gustav Schauer in Berlin.)