Victoria den duft’gen Kranz Dir dar.

Gott ging mit Dir und wird auch mit Dir gehen,

Bis überm Lorbeerschatten Palmen wehen.“

Abb. 72. Erinnerung an den Luxembourggarten in Paris. Ölgemälde von 1872.

In Privatbesitz in Paris.

(Photographieverlag von Gustav Schauer in Berlin.)

Abb. 73. Bleistiftstudie von 1874. Im Besitz der Kunsthandlung Fritz Gurlitt in Berlin.

Die beiden ersten Zeilen, als der eigentliche Gruß, nehmen den größten Teil des Blattes ein. Sie sind eingebaut in ein reichgeschmücktes Festgerüst von Kandelabern und Masten, die durch eine von der Königskrone oben in der Mitte ausgehende Draperie von Purpursammet und Hermelin miteinander verbunden sind, und zwischen denen auf luftigen Tribünen die begrüßenden Zuschauer stehen, während unten die siegreichen Truppen vorbeimarschieren. In diesem Rahmen bilden die drei ersten Worte die erste gemalte Zeile: hinter dem aus Blumen gebildeten „Willkommen“ treten die weißgekleideten Festjungfrauen an, die dann die Buchstaben des Wortes „König“, die in sich wiederum sinnreich gestaltet sind, mit Kranzgewinden schmücken, die Kränze schlingen sich wieder zusammen zu den Schriftzügen des Wortes „Deine,“ hinter dem eine Schar von Putten die Festmusik macht; der Putto regens chori hat eine Maske mit den Zügen des General-Direktors der Militärmusik Wieprecht vorgebunden. Das Wort „Metropole“ zeigt sich darunter in einem schwebenden Bilde des in prächtigem Festschmuck prangenden, damals noch im Bau begriffenen Berliner Rathauses, dessen status quo des Tages nach der Wirklichkeit gegeben ist. Die Zuschauer werfen Blumen, Kränze und Lorbeerzweige auf die einziehenden Soldaten herab, und aus diesen Begrüßungsspenden bilden sich in der Luft die Worte „grüßt jubelnd Dich und Deine“ —. Das Wort „Heldenschar“ steht in großen festen Buchstaben auf dem Bodenstreifen und hebt sich hell von der dunklen Truppenmasse ab, die es bezeichnet; an den einzelnen Buchstaben dieses Wortes sind die Bildnisse der Führer des Krieges angebracht. Dieser ganze obere Aufbau, der den Gruß an das siegreiche Preußenheer von 1866 darstellt, wird getragen von einem Unterbau aus Marmor und Erz, an dessen lorbeergeschmückten Pfeilern die Helden Friedrichs des Großen zu beiden Seiten von dessen Sarkophag stehen, — ein sinnvoller Gedanke Menzels, der nicht aus dem Gedicht hervorging. Die Textzeilen sind so angeordnet, daß das Wort „Friedrichs“ für sich allein auf dem Sarkophag steht, und daß das Wort „Victoria“ unter das Bild der Siegesgöttin kommt, die auf dem Sockel dieses Sarkophags sitzt. Die beiden letzten Zeilen sind auf ein mit goldenen Sternen besätes Band geschrieben, das von einem Ziergebilde seinen Ausgang nimmt, in welchem sich eine segnende Hand herabstreckt, und das in einer Gruppe von Palmzweigen, worin Cherubim schweben, endet. Es würde unmöglich sein, mit Worten auf alles hinzuweisen, was das Blatt an sinnreichen Beziehungen und an künstlerischen Schönheiten enthält, von den Putten angefangen, welche sich auf der Draperie über dem Festgerüst herumtreiben, und von den Einzelheiten des Schmuckes bis zu dem Charakter der Schriftzüge hin, die in ihrer Verschiedenartigkeit die fliegende Eile des Siegeslaufs, das verzehrende Feuer der sieben heißen Tage und das sichere Mitgehen des göttlichen Segensausdrücken, die bei den Worten „Kapitole“ und „Victoria“ gleichsam unwillkürlich eine antik-klassische Gestalt annehmen, um bei dem Worte „Kranz“ wieder in fröhliche Bewegung überzugehen. — Das in Wasserfarben mit Zuhilfenahme von Gold mit wunderbarer Feinheit ausgeführte Blatt verdunkelt im Hohenzollernmuseum des Schlosses Monbijou die sämtlichen künstlerisch ausgeführten Adressen, welche dort in so großer Zahl aufbewahrt werden.