Unterschrift: „Christo geweiht. — Dieser hat Gottes Wort mit der größten Ergebung
gefördert; Ewigen Nachruhms ist würdig darum er fürwahr. — Für Herrn Friedrich,
Herzog von Sachsen, des h. römischen Reichs Erzmarschall, Kurfürst, gemacht von
Albrecht Dürer aus Nürnberg. — B·M·F·V·V· (unverständlich) — 1524.“

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GRÖSSERES BILD]

Abb. 113. Wilibald Pirkheimers Bildnis aus dem
53. Jahre seines Lebens, Kupferstich von 1521.

„Man lebt durch seinen Geist, das übrige gehört dem Tode.“

Dürers Aufzeichnungen sind im allgemeinen ganz knapp und kurz gehalten, und doch ist bisweilen in den wenigen Worten ein lebendiges Bild von einer Person oder einem Vorgang gegeben. Zu ausführlicherem Bericht reizen ihn manchmal die Festlichkeiten; so schildert er namentlich das erste große Fest, das die Antwerpener Künstlerschaft ihm gab, mit vielem Behagen.

Überall blickt in dem Tagebuch der beobachtende Maler durch, dessen Augen immer beschäftigt sind. Bald ist es die Ansicht einer Stadt, bald die Aussicht von einem Turm, hier eine Gartenanlage, da ein Gebäude, was die Aufmerksamkeit des Meisters fesselt; hier hält er ein hübsches Gesicht und dort die zu Markte gebrachten stattlichen Hengste der Erinnerung für wert. Als echter Renaissancekünstler bemerkt er im Aachener Münster sogleich, daß die dort „eingeflickten“ antiken Säulen kunstrecht nach des Vitruvius Vorschrift gemacht seien.

Auch die weltgeschichtlichen Ereignisse, die damals Deutschland bewegten, nehmen seine Aufmerksamkeit in Anspruch. Durch die Nachricht von Luthers Gefangennahme wird er tief erschüttert. An dem Tage, wo er hiervon gehört hat, flicht er ein langes inbrünstiges Gebet in seine Aufzeichnungen ein. Er läßt erkennen, daß er mit der ganzen Aufrichtigkeit und tiefen Frömmigkeit seines Herzens dem Unternehmen der Reformation zugethan ist, doch ohne zu ahnen, daß eine Kirchentrennung daraus hervorgehen würde.

Abb. 114. Die Anbetung der heiligen drei Könige. Federzeichnung von 1524.
In der Albertina zu Wien.
(Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach i. E. und Paris.)