Franz Hals war ausschließlich Bildnismaler. Es lag im Wesen einer auf sorgfältig getreue Wiedergabe der wirklichen Erscheinungen gerichteten Kunst begründet, daß sie sich im Laufe der Zeit mit mehr oder weniger scharfer Begrenzung in einzelne Fächer spaltete, je nachdem die einzelnen Künstler für diese oder jene Gattung der natürlichen Erscheinungen eine besondere Vorliebe besaßen. Die Porträtmalerei, das sogenannte Genre, die Landschaft, die Tiermalerei fingen an, sich voneinander zu scheiden. So hat auch Franz Hals sich nie auf einem anderen Kunstgebiet versucht, als auf demjenigen, welches die sprechend naturwahre Wiedergabe des besonderen Charakters und des ständigen oder flüchtigen Ausdrucks bestimmter Persönlichkeiten zum Gegenstand der künstlerischen Darstellung machte. Hierin aber hat er alle seine Vorgänger, seine Mitstrebenden und seine Nachfolger in Holland, welche das nämliche Gebiet betreten haben, übertroffen — den großen Rembrandt nicht ausgenommen, dessen hohe künstlerische Bedeutung anderswo lag und der ja überhaupt nicht zu den Realisten der Malerei gezählt werden kann, da er alles, was er malte, mit einem nicht in der Wirklichkeit vorhandenen, sondern nur von ihm selbst erschauten Lichtzauber dichterisch verklärte.
Abb. 6. Bildnis des Jacob Pieterß Olycan, von 1625.
In der Königlichen Gemäldesammlung im Haag.
Abb. 7. Bildnis der Aletta Hanemans, Gemahlin von Jacob Pieterß Olycan, von 1625.
In der Königlichen Gemäldesammlung im Haag.
Franz Hals stammte aus einer alten angesehenen Haarlemer Familie. Seine Geburtsstadt aber ist Antwerpen, wohin sich seine Eltern im Jahre 1579 begeben hatten. Wann er geboren wurde, steht nicht fest; die Überlieferung nennt das Jahr 1584. Auch darüber fehlt die Kunde, wie lange der Aufenthalt der Familie in Antwerpen dauerte, und wann Franz Hals nach Haarlem kam, wo er während der ganzen Zeit seiner Thätigkeit verweilt hat. Überhaupt sind die urkundlichen Nachrichten über ihn dürftig, ungeachtet der emsigen Bemühung, mit welcher verdienstvolle holländische Kunstforscher in den letzten Jahrzehnten nach solchen gesucht haben. Es ist eine Aufzeichnung entdeckt worden von der Hand eines Malers Mathias Scheits aus Hamburg, welcher Franz Hals persönlich gekannt hat. Derselbe erzählt dessen Leben mit den wenigen Worten: „Der treffliche Bildnismaler Franz Hals von Haarlem hat gelernt bei Karl van Mander aus Meulenbecke. Er ist in seiner Jugend etwas lustig von Leben gewesen; als er alt war und mit seinem Malen (welches jetzt nicht mehr so war wie früher) nicht mehr die Kost verdienen konnte, hat er einige Jahre, bis daß er starb, von der hohen Obrigkeit von Haarlem ein gewisses Geld zu seinem Unterhalt gehabt, um der Tüchtigkeit seiner Kunst willen. Er ist um das Jahr 1665 oder 66 gestorben und nach meiner Schätzung wohl 90 Jahre oder nicht viel weniger alt geworden.“
Der als Lehrer des Franz Hals genannte Karl van Mander (geboren 1548) war ein Anhänger der italienischen Richtung. Er hatte in seiner Jugend in Rom studiert, hatte sich dann zuerst in Brügge und darauf in Haarlem niedergelassen und siedelte zuletzt nach Amsterdam über, wo er im Jahre 1606 starb. Sein Name ist der Nachwelt weniger durch seine Gemälde, als durch seine schriftstellerische Thätigkeit im Gedächtnis geblieben. Er hat nämlich ein „Schilderboek“ (Malerbuch) verfaßt, worin er Künstlergeschichte erzählt.
Da Karl van Mander Haarlem im Jahre 1602 verließ, so muß die Ausbildung des Franz Hals um diese Zeit vollendet gewesen sein. Aber die ersten sicheren Werke von seiner Hand, welche sich erhalten haben, stammen aus erheblich späterer Zeit.