Abb. 20. Bonifacius Amerbach. Ölgemälde im Museum zu Basel.
Aufschrift:
„Bin ich auch nur ein gemaltes Gesicht, nicht weich’ ich dem Leben,
Gleiche in jeglichem Strich meinem Besitzer genau.
Wie ihn, da er achtmal drei Lebensjahre vollendet,
Hat gebildet Natur, sag’ ich durch bildende Kunst.
Den Bonifacius Amorbacchius malte Johannes Holbein im Jahre 1519 am Tag vor den Iden des Oktober.“
(Nach einer Originalphotographie von Braun, Clément & Cie. in Dornach i. E. und Paris.)
Möglicherweise machte Holbein von Luzern aus einen Ausflug über die italienische Grenze. Zwar wird in einer alten Lebensbeschreibung ausdrücklich von ihm gesagt, er sei niemals in Italien gewesen. Aber das schließt nicht aus, daß er das der Schweiz so nahe gelegene Mailand besucht habe. Was dafür spricht, ist der Umstand, daß Holbein eine Darstellung des letzten Abendmahls gemalt hat, die ganz unverkennbare große Ähnlichkeiten mit dem berühmten Freskogemälde des Leonardo da Vinci in S. Maria delle Grazie zu Mailand zeigt. Das Bild, dem die Seitenteile fehlen, befindet sich im Baseler Museum. Es war schon zu Amerbachs Zeit beschädigt und schlecht ausgebessert, ist später nochmals ausgebessert und dabei hart und bunt übermalt worden, so daß man von der ursprünglichen Farbenstimmung keine Vorstellung mehr bekommt. Was man noch würdigen kann, ist der stark betonte sprechende Ausdruck der Köpfe. Die Anordnung, die Figur des Heilandes und die ganze durch die Versammlung gehende Bewegung erinnern so stark an Leonardos Meisterwerk, daß man unbedingt annehmen muß, daß Holbein dieses gesehen habe ([Abb. 19]).