Abb. 24. Die Beweinung Christi. Im kais. Hofmuseum zu Wien. Nach einer Photographie von J. Löwy in Wien.
Abb. 25. Zwei Satyrn. In der kgl. Pinakothek zu München.
Nach einer Photographie von Franz Hanfstängl in München.
Im Jahre 1612 malte Rubens im Auftrage seines Freundes Balthasar Moretus für das Grabmal von dessen Vater in der Kathedrale zu Antwerpen das noch auf seinem Platze befindliche Bild der Auferstehung Christi, mit Figuren von Heiligen und Engeln auf den Flügeln. Die kirchliche Malerei war zweifellos in jener Zeit der wichtigste Zweig von Rubens’ Thätigkeit. Nebenher aber fand er Zeit zu den mannigfaltigsten Schöpfungen anderer Art. Daß er gelegentlich Bildnisse malte, versteht sich von selbst ([Abb. 17] das Bildnis eines Unbekannten aus der Zeit von 1609–1610). Vor allem aber erging sich seine Phantasie mit Lust in der antiken Mythologie. Rubens hätte nicht zu den Gebildeten seiner Zeit gehört, wenn er in den griechisch-römischen Göttergeschichten nicht ebenso bewandert gewesen wäre, wie in der biblischen Geschichte. Zu den glücklichsten seiner mythologischen Schöpfungen gehören zwei verschiedene, anscheinend in der Zeit von 1610 bis 1615 entstandene Darstellungen der Befreiung der Andromeda durch Perseus. Das eine dieser Bilder befindet sich in der Ermitage zu Petersburg. Auf dem Hintergrund einer finstern Felsenwand schreitet der Held, dem eine Siegesgöttin den Lorbeer auf das lockige Haupt setzt, auf die befreite Jungfrau zu; schalkhafte Liebesgötter umgaukeln die jugendlich straffe Gestalt, sie gesellen sich zu der schwebenden Viktoria, sie machen sich mit dem Flügelroß, einem feurigen Schecken, und mit dem schreckhaften Gorgonenschild zu schaffen; im Vordergrund sieht man ein Stück des getöteten Ungeheuers hervorblicken, ein untergeordnetes Etwas, das den festlichen Eindruck der liebesfreudigen Komposition nicht stört ([Abb. 18]). Fast noch schöner ist das andere, im Berliner Museum befindliche Bild. Zwar ist die Gestalt der Andromeda hier nicht ganz so ansprechend wie dort; dafür aber sind die Liebesgöttter, namentlich diejenigen, welche auf der breiten Kruppe des Rosses — hier ist es ein Apfelschimmel — spielen, noch reizender als dort; dazu vertieft sich hier die Landschaft, und man sieht an den Felsen vorbei auf die dunkelfarbige Luft und das tiefblaue Meer, in dem sich zwischen Klippen das Ungetüm in seinen letzten Zuckungen windet. Die großen Massen der Landschaft, das stolze Roß, die blitzende Rüstung des Helden, die leuchtende Mädchengestalt und die köstlichen Kinderfigürchen bilden zusammen ein wunderbares Gedicht, das in unvergleichlichem Farbenwohllaut zusammenklingt ([Abb. 19]). Rubens war von jeher ein Meister in der Wiedergabe lieblicher Kindergestalten. Im Jahre 1611 schenkte ihm Isabella Brant ein Töchterchen. Der Anblick des eigenen, sich in blühender Gesundheit entwickelnden Kindes mochte ihn besonders anregen, den Reiz des Kinderkörperchens aufzufassen und wiederzugeben. Ein Studienblatt in der Albertina ist ganz bedeckt mit schnell gezeichneten Engelchen in den verschiedensten Bewegungen ([Abb. 20]). Das sind vielleicht Studien zu dem um jene Zeit entstandenen entzückenden Gemälde: Maria mit dem Jesusknaben, umgeben von den unschuldigen Kindlein ([Abb. 21]), ursprünglich zweifellos ein Altarbild, jetzt in der Sammlung des Louvre befindlich. Eine Reihe der köstlichsten Kinderfiguren hat Rubens in dem Bilde vereinigt, welches mit dem Namen „der Früchtekranz“ bezeichnet wird (in der Münchener Pinakothek) ([Abb. 23]). Die zu einem reichen Gehänge zusammengebundenen Früchte, welche diese holdseligen Geschöpfchen schleppen, verdanken ihre feine und sorgfältige Ausführung vielleicht dem Jan Breughel („Sammetbreughel“), der mit Rubens durch die innigste Freundschaft verbunden war. Eine gleichartige Zusammenstellung von Kindern und Früchten finden wir in einer kostbaren Skizze, welche die Ermitage zu Petersburg bewahrt: das Standbild der Ceres; da sind die prächtigen kleinen Liebesgötter bemüht, die Nische, welche das Bild der nahrungspendenden Göttin einschließt, mit dicken Fruchtschnüren zu schmücken ([Abb. 22]). Möglicherweise ist diese schöne Skizze der Entwurf zu einem Titelblatt, wie Rubens deren seit 1613 viele für die bei seinem Freunde Balthasar Moretus erscheinenden Werke anfertigte. Tüchtige Kupferstecher, welche die Rubensschen Entwürfe, mochten sie gemalt oder gezeichnet sein, mit dem Stichel auf der Platte ausarbeiteten, waren in ansehnlicher Zahl vorhanden. Auch die meisten seiner Gemälde wurden durch Stiche vervielfältigt. Die Kupferstecherkunst, die in dieser Zeit in den Niederlanden die augenfälligsten Fortschritte machte, lernte von der Malerkunst des Meisters. Auch die niederländische Holzschneidekunst schulte und vervollkommnete sich an der Wiedergabe seiner Werke.
Abb. 26. Faunus und Diana (die Gaben des Herbstes). In der kgl.
Gemäldegalerie zu Dresden. (Nach einer Aufnahme von Ad. Braun & Co., Braun,
Clément & Cie. Nchfl., in Dornach i. Els. und Paris.)
Abb. 27. Die Gefangennahme Simsons. In der kgl. Pinakothek zu München.
Nach einer Photographie von Franz Hanfstängl in München.