Von den Gemälden, welche Rubens für den Herzog von Mantua malte, besitzt die Dresdener Gemäldegalerie eins, welches allem Anschein nach eine Verherrlichung dieses Fürsten darstellt; ein junger Held, der Neid und Zwietracht niedertritt, empfängt von der Siegesgöttin den Lorberkranz. Den nämlichen Gegenstand hat Rubens später noch oftmals behandelt, ohne daß sich nachweisen ließe, ob er mit dem Helden eine bestimmte Persönlichkeit gemeint hat und welche; wir finden derartige Bilder, die sich durch mehr oder weniger unwesentliche Abweichungen voneinander unterscheiden, in den Sammlungen zu Wien, Kassel, München ([Abb. 9]). Wenn uns heute solche Allegorien ziemlich kalt lassen, so waren sie doch in jener Zeit überaus beliebt. In das nämliche Gebiet gehört das wirkungsvolle Prachtstück in der Pittigalerie zu Florenz, welches den Kriegsgott darstellt, wie er aus den Armen der Liebesgöttin sich losreißt, um stürmend dem Rufe der Furien zu folgen.
Abb. 9. Die Siegesgöttin krönt einen Helden. In der kgl. Pinakothek zu München.
Nach einer Photographie von Franz Hanfstängl in München.
Abb. 10. Der Flußgott Tiber (oder Tigris) mit der Göttin des
Überflusses. In der Ermitage zu St. Petersburg. (Nach einer Aufnahme von
Ad. Braun & Co., Braun, Clément & Cie. Nchfl., in Dornach i. Els. und Paris.)
Von in Deutschland befindlichen Gemälden aus Rubens’ italienischer Zeit seien noch der schöne heil. Sebastian im Berliner Museum und die übermütige Darstellung des trunkenen Herkules in der Galerie zu Kassel (eine größere Wiederholung davon in der Dresdener Galerie) besonders erwähnt.
Abb. 11. Die Kreuzerhöhung. Nach dem Stich von Wildoec.
Im Jahre 1608 finden wir Rubens wieder in Rom. Hier entstanden verschiedene Werke, welche unmittelbar auf die ewige Stadt Bezug nahmen: eine Wölfin mit den Zwillingskindern Romulus und Remus und eine Darstellung des Flußgottes Tiber, zur Seite die Göttin des Überflusses. Das erstere Bild befindet sich in der Gemäldesammlung auf dem Kapitol, das letztere, welches für den Fürsten Chigi gemalt wurde, stimmt der Beschreibung nach überein mit dem schönen Bild in der Ermitage zu Petersburg, welches bald als Tiber, bald auch — wegen des seitwärts sichtbaren Tigers — als Tigris bezeichnet wird; die Gestalt der Abundantia zeigt hier eine gefällige Schönheit, wie sie später bei Rubens’ Frauengestalten nicht oft mehr vorkommt ([Abb. 10]). — Seine Hauptarbeit in Rom galt der Oratorianerkirche. Als das vor zwei Jahren angefangene Gemälde vollendet und auf dem Altar der Chiesa nuova aufgestellt war, erwies sich die Beleuchtung als so ungünstig, daß Rubens beschloß, es durch ein anderes Werk zu ersetzen. Er malte nunmehr die heute noch dort befindlichen drei Gemälde, von denen das mittlere, auf dem Hochaltar, die Himmelskönigin, die beiden seitlichen je drei Heilige zeigen. Jenes erste Gemälde, auf dem er die beiden Schutzheiligen der Kirche, Maria und Gregor nebst mehreren anderen Heiligen dargestellt hatte, behielt er für sich; er nahm es mit in die Heimat, um damit das Grab seiner Mutter zu schmücken.