Amaurosis wird dadurch vom Staar (Glaucoma) unterschieden, daß die Verdunkelung oder der Verlust der Sehkraft plötzlich eintritt und die mit den Augen wahrgenommenen Gegenstände mit Flecken bedeckt zeigt. Beim Staar hingegen nimmt die Sehkraft nur langsam ab und ist eher mit einem Nebel vor den Augen zu vergleichen, und es wird alles wie durch einen weißen Flor gesehen, was bei Amaurosis nicht der Fall ist.

Kennzeichen der Annäherung von Amaurosis sind Schmerzen in der Stirn und den Schläfen, welches mit der Zunahme der Blindheit (Amaurosis) abnimmt, Umwölkung des Blickes, Flecken schwimmen vor den Augen, welches dem Kranken lästig wird. Beim Lesen oder Schreiben ist ein stärkeres Licht als gewöhnlich erforderlich.

Ursachen. — Hierzu können, obgleich es übertragen worden sein oder durch Unverdaulichkeit hervorgerufen worden ist, Mißbrauch von Reizmitteln, unterdrückter Stuhl, Gicht, Rheumatismus oder Skropheln, Nervenfieber, der Gebrauch des Schnupftabaks, zu langes Stillen von Kindern, außerordentlicher Kummer, Ueberanstrengung der Sehkraft, Arbeiten bei einem sehr hellen, strahlenden Lichte und Verletzungen des Baues des Sehorgans, Schlaganfall, Anreizung der Eingeweide, sei es von Würmern oder aus anderen Ursachen herrührend; Schrecken, Druck auf die Blutgefäße des Nackens, wodurch die Rückkehr des Blutes vom Gehirn verhindert wird, Wirkung giftiger Bestandtheile wie Belladonna, Stechapfel (Stramonium), Opium, Blei und Chinin.

Behandlung.

Allgemeine. Aufmerksamkeit sollte dem allgemeinen Gesundheitszustand gewidmet werden. Wird Blindheit durch eine Störung der Verdauungsorgane hervorgerufen, so sollte sie gehoben werden. Der Kranke vermeide jede Anstrengung der Augen in starkem Lichte und halte sie zu jeder Zeit so viel als möglich beschattet. Alles Lesen, Schreiben und feine Nadelarbeit muß eingestellt werden. Eine tägliche mäßige Bewegung im Freien, das allabendliche Baden der Füße in warmem Wasser und das Eintauchen des Kopfes in warmes oder kaltes Wasser am Morgen sollte man nie vernachlässigen. Die Kost muß nahrhaft und leicht verdaulich sein.

Eclectische und Kräuterkur. Dr. King empfiehlt folgende Pillen zum Einnehmen:

Jod (Iodine) 10 Grane.
Schwefelsaures Morphium (Sulphate of morphia)
Strychnin (Strychnia) 1
Alcohol-Extrakt von Schlangenwurzel (Cohosh) hinreichend um aus Obigem Pillen zu machen.

Mische und theile es in 20 Pillen. Dosis: Eine Pille zwei- oder dreimal des Tages. Sollte das Strychnin den Kranken angreifen, so vermindere man die Menge von demselben. Ebenso empfiehlt derselbe das zusammengesetzte Theerpflaster (Compound Tar Plaster) im Nacken aufgelegt, und zwar das Rückgrat an beiden Seiten bis zur Hälfte hinab bedeckend, der so lange als es nur der Kranke ertragen kann, dort bleiben soll.

Homöopathisch. Gegen einfache Schwäche der Augen eines von den folgenden Mitteln: Pulsatilla, Sulphur, Belladonna, Calcarea, Phosphorus. Jedes dieser Heilmittel sollte vier oder sechs Wochen verordnet werden. Alle drei Tage des Abends eine Dosis bis Besserung eintritt, oder bis das nächste Heilmittel gegeben wird.

Gegen gänzliche Erblindung.