Taubheit mag von unrichtiger Ohrbildung herrühren oder durch Schläge, einen Fall, Entzündung oder Paralisirung des Ohrnervs verursacht werden. Dieses Uebel folgt oft dem Scharlachfieber, den Masern, bösem Hals &c. Auch ist oft Ansammlung und Verhärtung des Ohrschmalzes, ein harter Körper, der in das Ohr eindrang, zu große Trockenheit und zu große Feuchtigkeit der betreffenden Theile Schuld.

Behandlung.

Homöopathisch. Ist Schwerhörigkeit durch Ansammlung des Ohrschmalzes verursacht, so muß dasselbe vorerst dadurch entfernt werden, daß man ein wenig warme Milch oder Salatöl ins Ohr träufeln läßt. Gegen die nach der Operation eintretende Wundheit gebe Arnica. Ist zu große Trockenheit des Ohrs vorhanden, oder nach Fieber- und Fieberfrösten gebe Carbo vegetabilis alle Abend eine Dosis. Nachdem hiermit eine Woche oder länger fortgefahren und keine Besserung eingetreten, gebe Graphitis, namentlich wenn Ohrensausen und Ohrenklingen des Nachts oder auch bei Tage hinzukömmt. Tritt nach Gebrauch dieses Mittels immer noch keine Besserung ein, so gebe Lachesis, Nitric acid, Petroleum, eines nach dem andern in derselben Weise. Ist die Taubheit durch Blutandrang nach dem Kopfe hervorgerufen, so gebe Belladonna, Coffea, Nux vomica, Sulphur oder Silicea — eine Dosis jeden Morgen und Abend, beginnend mit dem erstgenannten Heilmittel und damit drei Tage lang fortzusetzen, ehe zu einem anderen gegriffen wird. Folgt das Uebel den Masern, so gebe Pulsatilla und Carbo Vegetabilis; wenn dem Scharlachfieber, Belladonna und Hepar Sulphur; wenn nach den Blattern, Mercurius und Sulphur, eine Dosis jeden andern Abend abwechselnd. Wenn die Krankheit durch Erkältung im Kopfe entstanden, greife man zu Chamomilla, Arsenic, Lachesis, Mercurius, Sulphur oder Pulsatilla. Folgt das Uebel dem Wechselfieber das durch Chinin kurirt wurde, so gebe Carbo Vegetabilis, Pulsatilla, Sulphur und Calcarea Carbonica; jedes Mittel eine Woche, eine Dose jeden Abend, bis Besserung eintritt. Wenn das Uebel durch Unterdrückung des Abgangs aus Ohr und Nase entstanden, Pulsatilla, Mercurius, Belladonna oder Hepar Sulphur zwei oder drei Tage lang, ein Heilmittel einmal des Tages.

Allöopathisch. Ist die Schwerhörigkeit durch Ansammlung des Ohrschmalzes entstanden, so sollte eine geringe Quantität Salatöl jeden Abend ins Ohr geträufelt werden, um dasselbe zu erweichen; ebenfalls muß jeden Tag warmes Wasser ins Ohr gespritzt werden, bis das Schmalz entfernt ist. Darnach wende man folgendes an und setze einige Wochen damit fort:

Kamphorirtes Oel (Camphorated oil) ½ Unze.
Seifen-Liniment ½ Drachme.

Mische und wende es mittelst ein wenig Wolle oder Baumwolle an. Ist das Uebel durch Erkältung entstanden, so sollten die Mittel, die gegen Catarrh angegeben sind, in Anwendung kommen. Ist es durch bösen Hals erzeugt worden, so wird das Einathmen des Dampfes von heißem Wasser, das mit Essig vermischt wurde, von guter Wirkung sein; auch sollten kleine Pflaster hinter dem Ohr angebracht werden. Ist es durch Rheumatismus verursacht, so mag das folgende Liniment gebraucht werden:

Essigsäuerlicher Colchicum- (Zeitlose) Extrakt (Acetous extract of colchicum) 1 Skrupel.
Präparirtes Schweinefett 1 Unze.

Mische. Jeden Abend sollte das Ohr und die Theile um dasselbe mit einem Stückchen dieser Mischung — so groß wie eine Erbse — eingerieben werden. Ist das Ohr sehr trocken, so mag der Ohrengang zwei- oder dreimal die Woche mit Glycerin eingerieben werden, während man ein kleines Stück geräucherten Speck Abends in die Höhlen bringt und Morgens entfernt. Findet sich jedoch zu viel Feuchtigkeit im Ohr, so spritze dasselbe mit einer Auflösung von schwefelsaurem Zink (Sulphate of zinc) aus, indem man einen Gran Zink zu einer Unze Rosenwasser nimmt; auch lege man kleine Pflaster hinter die Ohren. Ist die Ursache eine Entzündung, oder sind es kleine Geschwüre am Ohreingang, so sollte ein warmer Umschlag auf das Ohr gelegt und die Ohren mit gleichen Theilen Goulard- und Rosenwasser ausgespritzt werden.

Eclectische und Kräuterkur. Ist die Schwerhörigkeit oder Taubsucht durch Ansammlung des Ohrenschmalzes entstanden, so müssen die bei der Allöopathischen Behandlung angegebenen Mittel zur Entfernung desselben angewandt werden. Auch kann man das folgende in einigen Fällen gebrauchen: