Diphtheria.

Dies ist eine verhältnißmäßig neue Krankheit, mit der wir bis vor wenigen Jahren nur wenig bekannt geworden. Sie ist außerordentlich gefährlich und ansteckend, verschont kein Alter, befällt aber namentlich die Jugend und hauptsächlich vollblütige, fette Kinder. Erwachsene werden selten damit behaftet, es sei denn durch Ansteckung.

Ursachen. Hierüber ist man sich noch nicht ganz im Klaren. Manche halten Diphtheria für eine bösartige Form der Halsbräune (aber Diphtheria unterscheidet sich ganz bedeutend von der Bräune), während andere sagen, es sei eine Art Scharlachfieber. Es ist jedoch eine Krankheit, welche den ganzen Organismus angreift, jedoch hauptsächlich im Hals auftritt.

Symptome. Diese sind sehr verschieden. Das erste Symptom ist in beinahe allen Fällen eine Heiserkeit, mit schwacher Stimme, leichtes Frösteln (wenigstens wurde das schon beobachtet) und Fieber, heftiges Kopfweh, worauf in sehr kurzer Zeit Wundheit im Halse und Schwierigkeit beim Schlucken eintritt. Der Kranke mag einige Tage vor dem Anfall leichtes Unwohlsein fühlen und schnell ermüdet werden. Nebst der Wundheit im Halse fühlt der Patient ein stechendes Gefühl an der Zungenwurzel, und die Drüsen in den Ecken der unteren Kinnbacken schwellen an und werden empfindsam. Schmerz in den Knochen, Mattigkeit, Störung im Magen, Appetitlosigkeit. In vielen Fällen wird der Hals so wenig affizirt, daß sich die Freunde und Eltern des Kindes nur schwierig von dem gefahrvollen Zustand desselben überzeugen können. Manchmal klagt das Kind gleich von Anfang über Wundheit und Steifheit im Halse. Aeußerlich sind die Mandeln vergrößert und weich, während innen die Entzündung deutlich wahrzunehmen ist. Dieselbe gibt den betreffenden Theilen bei Erwachsenen das Aussehen, als ob sie (die Theile) mit Mahoganifirniß überzogen seien, während sie bei Kindern eine rosige Farbe haben. Der Hals ist mit kleinen Flecken, die sich wie Stückchen Haut ausnehmen, überzogen, und wenn diese Hautstückchen sich ablösen, so zeigen sich unter denselben rohe, rothe Stellen. In allen Fällen ist mehr oder weniger Fieber mit Kopfweh vorhanden, was manchmal ganz unerträglich und heftig wird. Der Geruch des Athems ist so eigenthümlich, daß Personen, die mit dieser Krankheit bekannt sind, dieselbe daran zu erkennen vermögen. Der hintere Theil des Halses ist gewöhnlich mit einem Schleimhäutchen überhäutet, das, durch das Athmen zerrissen, sich sogleich wieder bildet. Bei heftigen Anfällen ist das Fieber sehr stark, mit Hitze, brennender Haut, erröthetem Angesicht, schnellem Puls, großer Schwierigkeit beim Schlucken und beschleunigtem Athem. Die Zunge ist mit einer dicken, zähen, schmutzig aussehenden, weißlichen, gelblichen oder grünen Substanz bedeckt und der Kranke ist sehr schwach und erschöpft. Die Mandeln schwellen außerordentlich an und der Mund wird innen ganz mit einer „falschen“ Schleimhaut überzogen.

Beim Fortschreiten der Krankheit werden die Symptome immer heftiger, der Athem sehr schwierig; das Schlucken wird so schmerzhaft, daß der Patient durchaus nichts mehr genießen will; der Speichel träufelt aus dem Munde und aus der Nase scheidet sich faulige stinkende Flüssigkeit. Der Puls ist schnell und schwach, der Athem wird außerordentlich widerwärtig und die Krankheit nimmt solche Gestalt an, daß selbst die besten Freunde des Patienten ihm nur mit Widerwillen zu nahen vermögen. Das Gesicht ist erdfarben, die Haut kalt und runzlig; der Kranke wälzt sich von einer Seite zur andern und kämpft um Athem, die Stimme wird immer undeutlicher und heiser, Hals, Nacken und Gesicht sind furchtbar angeschwollen und der Patient stirbt an schneller Erschöpfung in den Lebensorganen oder an Erstickung, dadurch hervorgerufen, daß sich die falsche Schleimhaut in die Luftröhrengänge ausgedehnt hat. Manchmal wird der Patient im Anfangsstadium eines heftigen Diphtheritisanfalls von starkem Erbrechen erfaßt und bricht alsdann eine dünne, gelblichweiße, sehr übelriechende Flüssigkeit, worauf große Erschöpfung und Abstumpfung folgt. Manchmal liegt der Kranke lange in tiefem Schlaf, so daß man ihn nur mit Mühe wecken kann. Frägt man ihn, ob sein Hals wund ist, so mag es leicht sein, daß er die Antwort gibt, solches sei nicht der Fall, wodurch sich sehr Viele täuschen lassen. In vielen Fällen tritt die Betäubung gleich zu Anfang der Krankheit ein und währt bis der Tod den Leidenden erlöst. Manchmal findet sich ein weißlicher Ansatz am Munde, welche Substanz dem gemahlenen Gips (Plaster paris) ähnlich sieht. An verschiedenen Körpertheilen entstehen schwarzblaue Flecken und der Stuhlgang führt weißliche Materie ab.

Manchmal befällt diese Krankheit den Patienten in einer Form, daß er gar keine Ahnung von dem Anfall hat, und erst dann gewahrt, daß er krank ist, wenn sein ganzer Organismus angegriffen ist. Sodann wird der „wehe“ Hals, den man vielleicht gänzlich unbeachtet ließ, plötzlich schlimmer; ein Crouphusten tritt ein und entweder verschlimmert sich der Zustand dermaßen, daß in zwei oder drei Stunden keine Rettung mehr vorhanden ist, oder der Kranke mag noch einige Tage mit zeitweiligem Aufflackern der Lebenskraft leben, um dann an Erschöpfung zu sterben. Der Diphteritis folgen manchmal verschiedenartige Störungen im Organismus, worunter namentlich Lähmung (Paralysis) hervorzuheben ist. Wer einen starken Körperbau hat, bei dem darf man eher auf Rettung ohne nachtheilige Folgen zählen, falls nemlich mit der Behandlung bald begonnen wurde. Wurde jedoch hiermit ein oder zwei Tage verzögert, so ist der Erfolg ein sehr unsicherer. Das Erbrechen im Anfangsstadium ist ein sehr bedenkliches Symptom, und je länger die „falsche“ Haut zu ihrer Ausbildung braucht, desto ungünstiger ist die Aussicht auf Rettung.

Behandlung.

Allgemeine. Der Kranke sollte in ein gut gelüftetes, trockenes Zimmer und in ein reinliches Bett gebracht werden; die Temperatur sei mäßig warm. Niemand darf im Zimmer bleiben als der oder die Wärter, und um dem üblen Geruch entgegenzuwirken, thut man wohl, Gefäße mit Chlorkalk und Essig (Chloride of lime and vinegar) umherzustellen.

Homöopathisch. Aconitum, Belladonna, Kali Chloricum, Kali Bi-Chromicum, Proto-Iodide oder Bin-Iodide of Mercury — sind gegen diese Krankheit die Hauptmittel.

Aconitum und Belladonna. — Abwechselnd wenn die Krankheit mit Fieber beginnt, alle Stunden einen Theelöffel voll, bis das Fieber nachläßt. Wenn sich jedoch die Symptome verschlimmern, so sollten andere Mittel gebraucht werden. Belladonna, Kali Chloricum, Kali Bi-Chromicum und Bin-Iodide of Mercury — dies sind die noch vorhandenen Heilmittel. Von den drei ersten gebe fünf Tropfen Belladonna, zwanzig Tropfen Kali Chloricum und ½ Gran Kali Bi-Chromicum Pulver, jedes in einem halb mit Wasser gefüllten Glas; Dosis: ein oder zwei Theelöffel voll. Vom Mercurius — ebenfalls ein Pulver — gebe man eine Dosis so groß wie eine kleine Erbse. Zu Anfang gebe Belladonna, die nächste Stunde Kali Chloricum, die dritte Kali Bi-Chromicum, die vierte Bin-Iodide of Mercury und die fünfte wiederum Belladonna und so fort. Ist der Kranke den nächsten Tag etwas besser oder sein Zustand nur um weniges verschlimmert, so mögen die Medizinen nur alle 2 und später alle 3 Stunden gegeben werden. Sind die Halssymptome alle gewichen, so lasse die letztgenannten Medizinen weg und verordne die drei ersten, bis jede Spur der Krankheit verwischt ist.