Symptome. Lungenentzündung beginnt in der Regel, wie alle Entzündungskrankheiten, mit einem Frostschauer oder Frösteln, dem Fieber folgen Schmerzen auf einer Seite der Brust, schwieriges Athmen, Husten, erhöhter Puls, schnelles Athmen und Schmerz zuweilen scharf, gleich einem Stich in der Seite. Der Kranke kann wegen des Schmerzes nicht auf der angegriffenen Seite liegen und das Athmen wird schwieriger, wenn er auf der entgegengesetzten Seite liegt, daher liegt er meistens auf dem Rücken. Ein trockener, schmerzhafter Husten stellt sich beim Beginn ein, zuweilen aber ist er feucht, der Auswurf weiß und durchscheinend, der bald darauf rostfarbig oder mit Blut gestreift wird. Die Haut ist trocken, Durst, fliegende Hitze und Angst sind vorhanden. Die Entzündung erreicht gewöhnlich am fünften oder sechsten Tag ihre Höhe und die Symptome bleiben ein oder zwei Tage unverändert, dann lassen sie nach und der Kranke wird schließlich gesund. Nimmt die Entzündung einen ungünstigen Verlauf, so quält sich der Kranke eine längere Zeit und die Symptome werden nach und nach immer schlimmer, bis der Tod seinen Leiden ein Ende macht.

Zuweilen tritt die Lungenentzündung epidemisch auf, nimmt dann leicht einen bösartigen Charakter an und artet in typhöse Pneumonia aus. Die Symptome sind ähnlich denjenigen der einfachen Lungenentzündung, mit Ausnahme des geschwächten Zustandes des Organismus. Die Entzündung selbst aber hat einen weniger acuten Charakter als bei Pneumonia. Schreitet die Krankheit vor, so verschwinden die thätigen Symptome der Pneumonia und der Kranke liegt im Schlafe oder Betäubung tritt ein, die Haut wird rauh und trocken und die Spitze und Ränder der Zunge erscheinen sehr roth, während die obere Fläche mit einem gelblichen oder bräunlichen Schleim belegt ist. Die Eingeweide schwellen an und sind äußerst empfindlich.

Ursachen. Erkältung ist in der Regel die Hauptursache, daher tritt auch die Lungenentzündung häufiger in den Winter- als während der Sommermonate auf. Ein starker Schlag oder Fall auf die Brust, sowie das Einathmen reizender Gase, können ebenso die Veranlassung dazu werden.

Behandlung.

Allgemeine. Der Kranke sollte sich in einem gut ventilirten Zimmer aufhalten; die Temperatur desselben muß gemäßigt, darf weder zu warm noch zu kalt sein. Sorge sollte getragen werden, daß derselbe nicht der Zugluft ausgesetzt wird.

Eclectische und Kräuterkur. Der Kranke stelle seine Füße und Beine in warmes Wasser und trinke Compositions-Salbei- (Sage) oder Isop- (Penny Royal) Thee. Es ist vortheilhaft, gleich zu Anfang ein Brechmittel zu verordnen, Erwachsenen das zusammengesetzte Lobeliapulver (Compound powder of lobelia), Kindern die zusammengesetzte Lobeliatinktur (Compound tincture of lobelia). Das Brechmittel muß, ehe der Schweiß ausbricht, gegeben werden. Eine Bähung von bittern Kräutern, wie Andorn (Hoarhound), Rainfarn (Tansy), Hopfen (Hops), Wasserdost (Boneset), Flöhkraut (Smartweed) und Pfirsichblätter (Peach leaves), von jedem eine Handvoll, in einem Gefäße über dem Feuer gekocht, wird empfohlen und zwar in der Weise, daß sich der Kranke entkleidet über das Gefäß setzt mit einer Decke um die Schultern, welche bis zum Boden reicht, so daß der Körper unmittelbar von dem so erzeugten Dampfe berührt wird. Dies sollte eine halbe Stunde fortgesetzt werden, und um das Wasser warm und dampfend zu erhalten, kann man von Zeit zu Zeit einen erhitzten Ziegelstein in dasselbe legen. Der Patient sollte dann rasch abgetrocknet und ins Bett gebracht werden, und darauf ein Brechmittel nehmen. Letzteres kann aus gleichen Theilen der pulverisirten Lobelia, Salbei (Sage), Blutwurzel (Blood root) und Brechwurz (Ipecac) zusammengesetzt werden. Nehme davon einen großen Theelöffel voll, gieße ein Pint heißes Wasser darauf, rühre es um und lasse es 15 Minuten lang stehen, dann gebe man alle 5 bis 10 Minuten eine Theetasse voll, bis gehöriges Erbrechen eintritt; gleichzeitig sollte Isop- (Pennyroyal), Salbei- (Sage) oder Wasserdost- (Bonset) Thee nach Belieben getrunken werden. Nachdem das Brechmittel gewirkt hat, ist es gut, den Kranken vermittelst heißer Ziegelsteine zu erwärmen, wohl zugedeckt zu halten, mit den warmen Thees fortzusetzen und ihn schwitzen zu lassen. Damit möge mehrere Stunden angehalten werden; dann sollte man ihn trocken abwischen, mit trockner Wäsche versehen und ihn schlafen lassen. Da hierbei mehr oder weniger Störungen der Leber vorkommen, so wird es zuweilen nothwendig werden, ein Abführmittel zu verordnen.

Entenfuß (Podophyllin) 1 Gran.
Leptandrin 2 Grane.

Gebe es als eine Dosis und wiederhole es alle 3 oder 4 Stunden, bis die Wirkung eintritt. Wenn der Schmerz nach diesem noch fortdauert, so müssen heiße Umschläge von bitteren Kräutern, wie Hopfen (Hops), Rainfarn (Tansy) und Wermuth (Wormwood), so heiß als es ertragen werden kann, über die Brust gemacht und dieselben jede Stunde oder alle zwei Stunden gewechselt werden. Im Falle die Fiebersymptome stark sind, ist das folgende zu empfehlen:

Jasmintinktur (Tincture of gelseminum) 4 Drachmen.
Eisenhuttinktur (Tincture of aconite) 24 Tropfen.

Mische es. Dosis 30 Tropfen alle halbe oder ganze Stunde, bis der Kranke Linderung verspürt.