Uebermäßige Menstruation (Profuse Menstruation — Menorrhagia).
Dies ist, wie der Name angiebt, ein übermäßiger Blutfluß während der Menstruation. Die Quantität Blut, die während der Monatsperiode ausfließt, ist bei verschiedenen Frauen verschieden, beträgt aber gewöhnlich zwischen vier und acht Unzen. Die Quantität mag an der Zahl der gebrauchten Tücher (Napkins) geschätzt werden. Jedes derselben enthält etwa ½ Unze oder einen Theelöffel voll, so daß 8 Napkins 4 Unzen enthalten würden, 20 zehn Unzen u.s.w. Bei manchen Frauen mag der Blutausfluß sehr reichlich sein, ohne daß dadurch die Gesundheit beeinträchtigt würde.
Ursachen. Dieses Uebel mag durch einen schwachen Zustand der Gebärmutter, durch vieles Kinderzeugen, Frühgeburten, üppiges Leben und zu langes und zu vieles Säugen, oder durch Gemüthsbewegungen, übermäßige Anstrengung, Tanzen, Fälle, schweres Heben, Erkältungen und geistige Aufregung erzeugt werden.
Symptome. Erschöpfung der Körperkräfte, Schwäche und Schmerz im Rücken, der sich bis zu den Hüften und über die Lenden zieht, fahles, eingesunkenes Gesicht, Kopfweh mit Klopfen in den Schläfen, Schmerz in der linken Seite, im Magen und in den Gedärmen, manchmal Diarrhöe mit großer Nervenschwäche.
Behandlung.
Allgemeine. Die Patientin muß sich auf ein hartes Lager niederlegen und keinerlei stimulirende Speisen und Getränke genießen. Das Zimmer sollte kühl und sie sollte mit leichten Decken bedeckt sein. Man bade die Füße in warmem Wasser, und wenn der Ausfluß sehr stark ist, so lege Tücher, gut mit Essig und Wasser getränkt, auf den Unterleib. Die Hüften müssen höher zu liegen kommen als der Kopf, und nur in den äußersten Fällen sollte man zum Verstopfen greifen. Muß es aber geschehen, so nehme man ein etwa 4 Zoll im Quadrat großes Stück Linnenzeug und bringe dasselbe in die Scheide, so daß diese angefüllt wird, worauf man eine Binde zwischen den Beinen befestigt. Kalte Hüftenbäder, sowie das Einspritzen von kaltem Wasser in die Scheide werden, falls die Blutung nicht heftig ist, dienlich sein.
Eclectische und Kräuterkur. Man nehme gleiche Theile pulverisirten Alaun, Geranium und Holzkohle, mische dieses und gebe davon 15 Grane alle 10–20 Minuten; oder je einen Theelöffel voll Salpeter und Alaun; mische dieses und vertheile die Masse in 6 Pulvern, von welchen eins alle 2–4 Stunden zu geben ist. Ein aus ganzem Zimmet (Cinnamon bark), oder ganzem Zimmet und den Blättern der rothen Himbeerstaude bereiteter Thee wird wohlthätig wirken, wenn die Patientin viel davon trinkt. Auch wird ein aus gleichen Theilen kurzblätterigem Dreiblattklee (Beth root), blauer Schlangenwurzel (Blue cohosh) und mehliger Aletris bereiteter Thee, von welchem je eine halbe Unze mit einem Pint kochenden Wasser vermischt wird, sehr empfohlen. Hiervon mag während eines Tages ein Pint getrunken werden. Zur selben Zeit nehme man alle Stunde oder 2 Stunden ein aus 5 Granen span. Pfeffer (Cayenne), ½ Gran Opium und 1 Gran Ipecacuanha (Ipecac) zusammengesetztes Pulver. Sind bedeutende Schmerzen vorhanden, so kann das folgende alle zwei oder drei Stunden verordnet werden: ½ Gran Morphium, 4 Grane spanischen Pfeffer, 4 Grane Harz (Rosin) in Brombeerensyrup zu geben. In manchen Fällen wird salzsaure Eisentinktur (Tincture of muriate of iron) in Dosen von 15 Tropfen alle halbe Stunde oder mehr, je nach Heftigkeit der Symptome, gute Dienste leisten. Zwischen den „Perioden“ gebe man zur Verhütung der Ueberblutung zusammengesetzten Wallwurzwein (Compound wine of comfrey) ein- oder zweimal des Tages und lasse die Patientin viel Thee von Brombeerwurzel oder kurzblätterigem Dreiblattklee trinken.
Homöopathisch. Ipecac. — Wenn der Ausfluß hellroth und die Menstruation zu oft eintritt. Man mag Sabina darauf folgen lassen.
Belladonna. — Wenn die Menstruation zu frühe wieder eintritt und die Patientin drückende Schmerzen mit heftigem Kopfweh empfindet, geröthetes Gesicht und kalte Gliedmaßen.