Vorfall der Gebärmutter (Falling of the Womb — Prolapsus Uteri).

Zum besseren Verständniß dieser Krankheit ist einige Kenntniß von dem Bau dieses Organs nöthig. Die Gebärmutter hat die Form einer Birne und ist zwei und einen halben bis drei Zoll lang, einen und dreiviertel Zoll weit und endigt nach unten in den Muttermund, oder Mutterhals, welcher etwa einen halben Zoll weit ist. Das Gewicht der Gebärmutter beträgt ungefähr 1½ Unze. Dieselbe liegt im unteren Theile des Unterleibs, im sogenannten Becken zwischen der Blase und dem Mastdarm. Gehalten wird die Gebärmutter theils dadurch, daß sie auf dem oberen Ende der Scheide ruht und nebstdem an vier Bändern befestigt ist. Die Bänder sind etwa 2½ Zoll lang und sie sind dazu vorhanden, um dieses Organ in richtiger Lage zu erhalten. Vorfall der Gebärmutter ist ein Sinken derselben und kann dieses so gering sein, daß es gar nicht bemerkt wird, oder so stark, daß sich das Organ durch die Oeffnung der Scheide zwischen die Beine drängt.

Ursachen. Es ist dies nicht sowohl eine Krankheit der Gebärmutter selbst, als vielmehr eine Krankheit der Theile, die sie zu stützen und in Lage zu erhalten haben. So lang als die Scheide ihre natürliche Größe beibehält und die Bänder nur 2½ Zoll lang sind, wird dieses Organ nicht aus seiner Lage verrückt werden. Alles, wodurch der Körperorganismus geschwächt und schlaff wird, mag dieses Uebel herbeiführen. Wenn z. B. die Muskeln des Unterleibs, welche die Eingeweide halten und stützen, aus irgend welcher Ursache erschlaffen, so werden die Eingeweide auf die Gebärmutter und deren Bänder Druck ausüben, welcher endlich ein Nachgeben derselben veranlaßt. Eine andere Ursache ist in zu früher Leibesbewegung nach dem Kindbett zu suchen. Ebenso wird starker Blutabfluß oder weißer Fluß, wenn diesen Uebeln kein Einhalt gethan wird, diese Krankheit erzeugen. Beständiges Stiegenauf- und absteigen von Seiten zartgebauter Frauen, enges Schnüren, Tanzen, Hüpfen und Springen, namentlich während der Monats-Periode, wo die Gebärmutter schwerer ist als sonst, weil sie mehr Blut enthält, sowie der Gebrauch solcher Medizinen, welche den „Stuhlgang öffnen“ und die von Vielen angewandt werden, sind die veranlassenden Ursachen von Gebärmutter-Vorfall.

Symptome. Die Symptome sind, je nachdem das Organ mehr oder weniger aus der Lage verrückt ist, verschieden. Jedoch wird die Patientin mehr oder weniger Druck im unteren Theil des Unterleibs, mit Schmerzen im Kreuz, sowie Druck in den Geschlechtstheilen verspüren, und zwar vermehren sich die Symptome durch körperliche Bewegung, oder wenn die Betreffende lange Zeit steht, und sie sind weniger heftig, wenn sie liegt. Auch in den Schamleisten und den Lenden werden Schmerzen gefühlt, die durch den Druck auf die Nerven entstehen; ebenso findet sich ein Geneigtsein zum Urinlassen, ohne daß die Patientin fähig wäre, so zu thun, es sei denn Tropfen bei Tropfen. Der Urin ist sehr heiß. Der Schmerz ist manchmal so bedeutend, daß sich die Kranke nach vorwärts krümmen oder sich dadurch unterstützen muß, daß sie die Hände gegen die Lenden stemmt, wenn sie geht. Diese Symptome verschwinden jedoch, sobald sie niederliegt, woraus man leicht auf die Natur der Krankheit schließen kann. Die Kranke hat Kopfweh, leidende Gesichtszüge, Dyspepsie, Herzklopfen und Schmerzen in der linken Seite.

Behandlung.

Allgemeine. Die meisten mit Gebärmuttervorfall behafteten Frauen meinen, es sei nöthig, daß sie einen Träger zur Stütze des Unterleibs nöthig hätten. Diese Träger (Supporters) richten jedoch viel Schaden an; denn da man sie eng um den Unterleib gebunden trägt, vermehren sie den Druck auf die Eingeweide und drücken so die Gebärmutter und deren Bänder immer weiter herab. Es ist blos nöthig, die Gebärmutter wieder in ihre natürliche Lage zu bringen und daselbst zu erhalten. Zu diesem Behufe gebraucht man ein Instrument — Mutterkranz (engl. Pessary, lat. Pessarium) genannt. Dasselbe ist ein aus Gold, Silber, Elfenbein, Holz oder Guttapercha verfertigter Ring und wird in der Scheide zur Unterstützung der Gebärmutter angebracht. Täglich sollte ein kaltes Hüftbad genommen werden, während man zu gleicher Zeit kaltes Wasser mittelst einer Spritze (Syringe) in die Scheide einspritzt. Die Patientin liege so viel als möglich und vermeide es, erschöpft zu werden. Auf den Unterleib lege beim Schlafengehen kalte Umschläge. Schnürleiber und schwere Röcke dürfen nicht getragen werden und die Kleider sollten los am Körper hinunterhängen. Allen diesen Vorschriften hat man genau nachzukommen und die Kost muß nahrhaft, einfach, aber nicht stimulirend sein.

Homöopathisch. Belladonna. — Wenn die Kranke im Unterleib ein Gefühl verspürt, als ob dessen Inhalt sich entleeren wollte, Schwere in den Lenden, mit krampfhaften Schmerzen im Unterleib, große Empfindlichkeit und Aufgeregtheit, weißer Fluß und starke Menstrualblutung.

Sepia. — Wenn die Monatsperiode zu früh eintritt, zu schwach oder unterdrückt ist, Schmerzen im Rücken und Unterleib, welche sich beim Gehen vermehren, öftere Geneigtheit zum Urinlassen, drückende Schmerzen im Unterleib, als ob der ganze Inhalt desselben sich entleeren wolle, Brennen, Jucken, weißer Fluß, mit gelblichem, röthlichem oder fauligem Ausfluß.

Nux Vomica. — Druck abwärts, namentlich während oder nach dem Gehen, Hitze und Schwere in den Gedärmen und in der Scheide, ziehende Schmerzen im Rücken, dem Unterleib und den Lenden. Während der Periode Kolik, Kopfweh; die Menstruation tritt zu frühe ein und ist zu stark, weißer Fluß mit gelbem stinkendem Abgang.

Calcarea Carbonica. — Ausgezeichnet für Personen mit schwachem Muskelsystem oder skrophulöser Anlage, und namentlich wenn die Monatsperioden die Körperkräfte sehr erschöpfen und dieselben zu starke Blutungen erzeugen und zu oft eintreten.