Zeichen der Schwangerschaft. Das erste Zeichen ist das Aufhören der monatlichen Reinigung. Dies kann aber auch von anderen Ursachen herrühren, so daß es an und für sich nicht als ein sicheres Zeichen betrachtet werden kann; wenn aber der Gesundheitszustand keine andere denkbare Ursache dafür gibt, mag es für ein starkes Anzeichen gehalten werden.

Uebelsein am Morgen. Dies — in Verbindung mit anderen Merkmalen — ist ein beachtenswerthes Symptom. In der Regel ist der Magen reizbar und die Frauen leiden an Uebelsein und Erbrechen, die sich besonders des Morgens einstellen. Es stellt sich bald nach der Empfängniß ein und hört nach dem dritten Monat wieder auf.

Anschwellen der Brüste. Ungefähr nach zwei Monaten wird die Aufmerksamkeit des Weibes auf den Zustand der Brüste gelenkt. Sie empfindet einen unbehaglichen Eindruck des Vollseins mit einem prickelnden und stechenden Schmerz im Innern und an den Warzen. Sie nehmen an Größe und Festigkeit zu und fühlen sich eigenthümlich und drüsenartig an. Die Areola oder Warzenring (ein gefärbter Kreis um die Warze) verdunkelt sich und nach einiger Zeit wird Milch abgesondert. Aber es muß erinnert werden, daß das Anschwellen der Brüste auch anderen Ursachen zugeschrieben werden kann; bei einigen Frauen ereignet es sich, daß sich bei jedesmaliger monatlichen Reinigung, wenn deren Verlauf unterbrochen oder sie sich ganz einstellt, zu solchen Zeiten eine milchige Flüssigkeit absondert (Churchill).

Anschwellen des Unterleibes. Dieses Kennzeichen, mit anderen vereinigt, befähigt uns, mit annähernder Sicherheit die Dauer der Schwangerschaft zur Zeit, wo wir diese Wahrnehmung machen, zu bestimmen. Während der ersten vier Monate bleibt die Gebärmutter in der Höhle des Beckens oder im tieferen Theile des Unterleibs, wird aber bald nachher über dem Schambein — am Rande des Beckens gefühlt. Im fünften Monat steigt sie in den Raum zwischen Schambein und Nabel bis zur Hälfte, im sechsten gleitet sie bis zum Nabel hinauf, den sie hervordrängt. Während des siebenten und achten Monats füllt sie den ganzen Unterleib bis zum Magen. Die Eingeweide sind über und hinter sie gedrängt.

Bewegungen des Kindes. Ungefähr gegen den fünften Monat nach der Empfängniß fühlt die Mutter die erste Regung des Kindes im Leibe. Einige fühlen es früher; Andere wieder nicht vor dem sechsten oder siebenten Monat. Manche meinen, daß das Kind bis zu dieser Zeit nicht am Leben sei, was aber eine ganz irrige Annahme ist, denn von dem Augenblick der Empfängniß ist es gerade ebenso ein lebendes Wesen, wie zu irgend einer Zeit nachher. Tritt diese Bewegung plötzlich ein, so sind die Schwangeren sehr zum Erbrechen geneigt, zuweilen Ohnmachten unterworfen. Die Lebens-Empfindung ist zuerst eine leichte, nimmt aber allmählig zu, bis die Bewegungen an den verschiedenen äußeren Theilen gefühlt werden können.

Es gibt noch manche andere Zeichen, welche den einzelnen Frauen eigenthümlich sind, und durch welche, in Verbindung mit anderen Zeichen, diese nach dem ersten Kindbett im Stande sind zu sagen, ob sie schwanger sind oder nicht. Hierher gehören die sogenannten Gerstenkörner an den Augenlidern, Zahnschmerzen, schwarze Flecken — gleich Sommersprossen — im Gesicht und Nacken, starke, hartnäckige Speichelabsonderung, ähnlich jener, die durch das Merkur (Quecksilber) hervorgerufen wird, nur mit dem Unterschied, daß hier die Schleimhäute vollkommen gesund sind. Es sind dies aber zufällige Zeichen, welche eben nur in vereinzelten Fällen gefunden werden.

Die Erhaltung der Gesundheit während der Schwangerschaft.

Die alten Römer hatten ein Gesetz, zufolge dessen alle schwangere Frauen weite, lose Kleider tragen mußten. Würde heutzutage ein derartiges Gesetz bestehen, es würden weit weniger Frühgeburten, Gebärmutter-Vorfall, wunde Brüste und andere derartige Krankheiten vorkommen. Kleider sollten warm, lose, leicht und in keinem Theile beengend sein. Schnürleiber müssen ganz bei Seite gelegt werden, und sogar der Gebrauch der Strumpfbänder sollte unterbleiben. Die Kleider müssen so zugerichtet sein, daß sie frei von den Schultern herabfallen, ohne daß sie um die Taille gebunden werden. Das Blut muß einen ungehinderten Umlauf haben, sonst werden sich früher oder später während der Schwangerschaft nachtheilige Folgen einstellen. Große Sorgfalt muß beobachtet werden, daß das Kleid um die Brüste lose sitzt, denn es kann sich leicht zutragen, daß die Brüste, wenn das Kind geboren wird, so flach werden, daß die Warzen nicht gefunden werden können. Pflegte die Schwangere vor der Empfängniß kalte oder warme Bäder zu nehmen, so mag sie dieselben fortsetzen, wenn nicht ein fühlbarer Nachtheil wahrgenommen wird.

Bewegung ist für die Erhaltung der Gesundheit sehr wichtig. Einige sind der Ansicht, daß sich schwangere Frauen keine Bewegung machen sollen, aber das ist ein Irrthum. Gerade dadurch bewahrt sie ihre Gesundheit und Stärke und erhält damit den gesunden Zustand des Kindes. Bewegung — sogar bis zur Ermüdung — kann viel leichter als geistige Aufregungen ertragen werden, und letztere sollten, da sie so sehr nachtheilig sind, so viel als möglich vermieden werden. Die Schwangere sollte täglich Bewegung haben, und zwar körperliche; sie muß gehen, nicht fahren, denn Fahren ist nicht hinlänglich. Die beste Bewegung ist die Verrichtung ihrer Haushaltungsgeschäfte, und sie sollte damit, so lange als sie fähig ist, fortfahren. Fühlt sie sich nicht wohl, oder steht eine Fehlgeburt zu befürchten, so muß sie alle Thätigkeit einstellen. Ueberhaupt müssen schnelle und heftige Bewegungen, wie das Heben schwerer Gegenstände, plötzliches Anspannen der Muskeln, Springen, Tanzen, sich Strecken, um einen entfernter liegenden Gegenstand zu erfassen, vermieden werden.

Die Nahrung. Die Kost sollte einfach und nahrhaft sein. Nicht selten stellt sich ein Verlangen nach Speisen ein, die nicht nur der Mutter, sondern auch dem Kinde schädlich sind. Die Frau muß am besten wissen, was sie essen kann, und es können durchaus keine besonderen Vorschriften zur Regelung der Kost gegeben werden. Stark gewürzte Speisen, Spirituosen, starker Thee und Kaffee sollten aber immer vermieden werden.