Verordnung der Heilmittel. Von dem gewählten Mittel nehme man alle 2 Stunden 6 Kügelchen.

Uebermäßiger Geburtsfluß oder Lochien (Flooding, Hemorrhage).

Wegen dessen Behandlung [siehe Kapitel 5].

Fehlgeburt oder Abortus (Miscarriage or Abortion).

Unter Fehlgeburt oder Abortus verstehen wir die Ausstoßung der Frucht zu irgend einer Zeit vor dem sechsten Monat. Tritt dies während dem siebenten oder achten Monat ein, so wird es mit einer Frühgeburt bezeichnet und das Kind kann erhalten werden, während es, wenn die Geburt vor dem siebenten Monat erfolgt, nicht lebensfähig ist. Abortus tritt wahrscheinlicher vor dem dritten Monat und zur Zeit der monatlichen Reinigung ein und eine Frau, die bereits eine Fehlgeburt erfahren hat, ist der Wiederholung derselben mehr ausgesetzt als eine andere, bei der dies noch nicht der Fall war. Fehlgeburten erfolgen meistens zu derselben Zeit als früher stattgefundene, und eine Schwangere sollte daher um diese Zeit besonders achtsam sein. Sie muß zu weite Spaziergänge, Heben von schweren Gegenständen, Treppenauf- und Absteigen, spätes Aufbleiben und starke geistige Erregungen vermeiden. Ich spreche hier nur von dem zufälligen Abortus und setze voraus, daß diejenigen, die diese Zeilen lesen, sich nicht des schändlichen Verbrechens einer Abtreibung der Frucht schuldig gemacht haben, — eines Verbrechens, für das keine Entschuldigung gefunden werden kann und das nicht nur einem menschlichen Wesen das Leben nimmt, sondern auch den Gesundheitszustand der Mutter untergräbt, denn irgend eine Medizin, welche stark genug ist, einen Abortus herbeizuführen, muß den Organismus so vergiften, daß die Folgen davon nie wieder geheilt werden können.

Ursachen. Zu den gewöhnlichen Ursachen des Abortus gehören Schläge, wenn auch nur leicht, auf den Unterleib, heftige Erschütterungen, Fallen, Pressen, Heben von schweren Gegenständen, Auf- und Absteigen von Treppen, Reiten, Fahren über eine holperige Straße, starkes Husten, Aerger, Freude, Furcht, Tanzen, außergewöhnliche und plötzliche Anstrengungen, die Wirkung von Arzneimitteln, welche einige Frauen beständig nehmen, wie Brechmittel, Abführmittel und zwar solche, wie Aloe, Sennesblätter u.s.w., Kräuter-Thees, Patent-Medizinen, der Gebrauch von Blasen- und Senfpflaster u.s.w.

Symptome. Die ersten Symptome bestehen in der Regel in einem Gefühl von Müdigkeit und Unbehaglichkeit, mit Kreuzweh und nach unten ziehenden Schmerzen, die sich allmählig zu Geburtswehen steigern, Schneiden und Ziehen in den Lenden und in dem Unterleib, ein Ausfluß von rothem oder hellem Blute, mehr oder weniger stark.

Behandlung.

Allgemeine. Wo es möglich ist, sollte ein solcher Fall unter die Pflege eines geschickten Arztes gestellt werden, besonders wenn ein starker Fluß vorhanden ist. Vor allem ist es aber von Wichtigkeit, darauf zu sehen, daß die Kranke in die gehörige Lage gebracht wird. Sobald sich die Symptome zeigen, sollte sie sich niederlegen und vollkommen ruhig verhalten. Sie sollte sogleich zu Bett gehen, eine harte Matratze mit leichten Decken in einem luftigen Zimmer sind vorzuziehen. Oeffne Thüren und Fenster, selbst im strengsten Winter und selbst wenn der Schnee ins Zimmer hereinweht. Entferne alle Ursachen zur Aufregung, besonders die Masse von alten Weibern, die sich gewöhnlich bei solchen Gelegenheiten einstellen; halte sie fern vom Hause. Als Getränk reiche man kühle Limonade, Zwieback- oder Eiswasser, und während des Darreichens gestatte man nicht, daß sich die Kranke aufrichtet; es ist von Wichtigkeit, daß eine horizontale Lage nicht verändert wird; man entferne alle Kissen unter dem Kopfe, und es mag nothwendig werden, durch das Unterlegen von Holzstücken unter die Beine das Fußende des Bettes zu erhöhen. Man mache Umschläge von Wasser und Essig auf den Unterleib, die Hüften und zwischen die Beine. Keine Reizmittel sollten gegeben werden, wenn nicht die Kranke durch Blutverlust sehr geschwächt ist, in welchem Falle ein wenig Wein oder Branntwein gegeben werden mag. Ist der Ausfluß zu stark und kann nicht durch Medizinen eingehalten werden, so ist die Gebärmutter zu verstopfen, was vermittelst Einschiebens eines seidenen Taschentuches, mit süßem Oel getränkt, in die Scheide, oder durch Einlegen von großen Stücken Tuch geschehen kann.

Homöopathisch. Arnica. — Wenn durch einen Fall, Schlag, Fehltritt, zu starkes Heben oder durch irgend eine andere große körperliche Anstrengung verursacht.