Dauer des Kindbetts.
Es ist rathsam, sechs bis acht Tage nach der Entbindung im Bett zu verbleiben, doch hängt dies von Umständen ab. Viele Frauen sind schon am sechsten Tage besser auf den Füßen als andere nach drei Wochen. Ist die Entbundene schwach, der Gesundheitszustand nicht gut, so sollte die Zeit bis zur vollkommenen Genesung ausgedehnt werden. Nach den ersten acht oder neun Tagen lasse man sie täglich eine kurze Zeit in einem bequemen Stuhl sitzen, gestatte ihr aber nie vor dem zehnten bis fünfzehnten Tag zu gehen.
Diät und Regeln während des Kindbetts.
Durch das Ordnen der Kost kann viel Schlimmes vermieden werden. Man kann größtenteils den Wünschen der Wöchnerin in dieser Richtung Folge leisten, sollte ihr aber durchaus nichts von reizender Wirkung reichen. Auch ist es wichtig, daß die Wöchnerin gehörig rein gehalten wird; jene Theile, die gewaschen werden müssen, sollten mit warmem Wasser gereinigt werden und in den ersten Tagen sollte es immer nach einigen Stunden wiederholt werden. Man lasse sie schwarzen Thee, kaltes Wasser, entweder mit oder ohne Erdbeer- oder Himbeer-Syrup trinken. Cacao ist zuweilen erwünscht und Claret, mit Wasser verdünnt, gibt einen guten Trank.
Lochien oder Geburtsblutfluß.
Nachdem die Nachgeburt vorüber ist, tritt ein Blutfluß ein, der mehrere Tage anhält. Dieser Fluß kommt aus den Oeffnungen der Gefäße in der Gebärmutter, die nach der Entfernung der Nachgeburt blosgestellt sind; in den ersten drei oder vier Tagen ist er von einem rothen Blute und dann wässerig; nach Verlauf von sechs oder sieben Tagen wieder dick und gelblich. Bei Einigen hört er nach etlichen Tagen auf, während er bei Andern wieder Wochen lang anhält. Mit der Unterdrückung dieses Blutflusses ist beträchtliche Gefahr verbunden.
Unterdrückung der Lochien.
Behandlung.
Eclectische und Kräuterkur. Man öffne die Eingeweide vermittelst eines gelinden Abführmittels, wie Castoröl oder Bittersalz (Epsom salts), und lasse einen starken Aufguß von Mutterkraut (Motherwort) so heiß als möglich und öfters wiederholt trinken. Sind Symptome von Fieber vorhanden, so mache man warme Umschläge von Hopfen und Rainfarn (Tansy) auf den Unterleib und gebe eine Mischung, zusammengesetzt aus zwei Theilen der Schlangenwurzel-Tinktur (Tincture of black cohosh) und einem Theil Eisenhutwurzel-Tinktur (Tincture of aconite root), 8 Tropfen in einem Theelöffel voll Wasser als eine Dosis, alle Stunde oder zwei Stunden zu wiederholen.
Homöopathisch. Bryonia. — Kann gegeben werden bei Vollsein und Schwere des Kopfes, Druck in den Schläfen, klopfendem Kopfschmerz, Kreuzweh. Wenn starkes Fieber, Blutandrang nach dem Kopf und Delirien vorhanden sind, gebe man Aconitum und Belladonna abwechselnd.