Behandlung.
Homöopathisch. Chamomilla und Mercurius mögen abwechselnd zwei- oder dreimal des Tages und ein oder zwei Pillen auf jede Dosis gegeben werden. Leidet das Kind an Verstopfung und ist unruhig, so gebe man Nux Vomica. China mag gegeben werden, wenn nach Chamomilla und Mercurius keine Besserung eintritt.
Eclectische und Kräuterkur. Ein Aufguß von Katzenmünze (Catnip) und Saffran (Saffron) mag mit Vortheil angewendet werden. Ein wenig Rhabarber (Rhubarb) und Castoröl mag den Stuhlgang befördern. Einige Theelöffel voll Walddost- (Thoroughwort) Thee, täglich durch zwei oder drei Tage hindurch gegeben, wird zuweilen die Krankheit entfernen.
Convulsionen, Krämpfe, Gicht (Convulsions — Spasms — Fits)
sind ein Leiden, das wahrscheinlich Mütter und Ammen mehr erschreckt, als irgend Jemand anders, wegen des schrecklichen Anblickes, den das leidende Kind bietet, und wegen der unerwarteten Anfälle von Krämpfen. Unter dem Wort Convulsion verstehen wir ein unfreiwilliges Zusammenziehen der Muskeln des ganzen oder eines Theiles des Körpers, und wird durch ein Leiden der Rückenmarks-Nerven verursacht. Nicht alle Krämpfe sind gefährlich, obgleich einige sehr gefährlich sind und eine schlimme Wendung nehmen können. Diejenigen, welche am meisten zu fürchten sind, sind jene, welche in Folge eingetretener Gehirnwassersucht stattfinden, nach starken Fällen oder Quetschungen oder nach irgend einem heftigen Anfalle von Gehirn- oder Gedärm-Krankheiten eintreten. Sie zeigen sich wahrscheinlicher vor dem siebenten, besonders während der ersten drei Lebensjahre. Das Gehirn von kleinen Kindern ist sehr empfindlich und in Folge dessen plötzlichem Blutandrang unterworfen, dem es nicht so gut widerstehen kann, wie das eines Erwachsenen.
Ursachen. Kinder eines empfänglichen, reizbaren Temperaments oder Gemüthes sind denselben mehr als andere ausgesetzt. Die gewöhnlichsten Ursachen sind: Reiz der Eingeweide in Folge unverdaulicher Nahrung, schwieriges Zahnen, Würmer, übermäßiges Schreien und Schmerzen, Aerger und Freude. Eine gefährliche Form bildet sich in Folge von Ueberladung des Magens mit unverdaulichen Speisen, wie Nüsse, Aepfel u. s. w. Ausschlagsfieber, wie [Scharlach], [Pocken] und [Masern] werden häufig von Krämpfen angemeldet, welche aber schnell bei Erscheinen des Ausschlages verschwinden und nicht für gefährlich gehalten werden. Wenn sie aber während des Verlaufs der Krankheit eintreten, so sind sie sehr zu fürchten. Krämpfe werden auch dadurch hervorgerufen, daß die Milch der Mutter durch große geistige Erregung, wie Zorn, vergiftet wurde, ebenso durch das Stillen des Kindes, wenn übermäßig erhitzt.
Symptome. Der Anfall zeigt sich in der Regel beim Anfange in den Augen, welche starr auf einen Punkt gerichtet sind, sich aber bei weiterem Vorschreiten des Falles bewegen und unter das obere Augenlid drehen und nur das Weiße sichtbar lassen; die Augenlider sind zuweilen offen und hin und wieder geschlossen, die Augen selbst kreuzen sich häufig und die Pupille mag sich erweitern oder zusammenziehen. Die Muskeln des Gesichts werden zunächst angegriffen und die Zusammenziehungen verursachen zu Zeiten schreckhafte Verzerrungen; der Mund wird in verschiedenen Arten verdreht. Bei heftigen Anfällen, wenn sich die Krämpfe über den ganzen Körper erstrecken, geräth derselbe in Verzuckungen; der Kopf wird nach rückwärts oder nach einer oder der andern Seite gezogen; der Körper kann steif oder verschiedenartig verzerrt werden; die Finger sind eingekniffen, die Arme rück- oder vorwärts gezogen oder gestoßen und in alle nur denkbare Stellungen gekrümmt. Die unteren Glieder werden ebenfalls angegriffen, aber in der Regel weniger heftig. Ein Anfall kann nur einige Minuten dauern oder auch mehrere Stunden anhalten. Ein Kind mag zuweilen mehrere Anfälle während des Tages haben, aber es wird immer zwischen jedem Krampf ein Zwischenraum sein.
Behandlung.
Allgemeine. Das erste, was geschehen muß, ist, ein warmes Bad zuzubereiten, in das das Kind sobald als möglich zu legen ist. Wo nur eine leichte Verzuckung stattfindet, wird ein Fußbad mit ein wenig Senf im Wasser hinreichen, in anderen Fällen aber muß der ganze Körper gebadet werden. Während sich das Kind im Bade befindet, gieße beständig kaltes Wasser auf den Kopf und halte damit an, so lange der Kopf noch ganz heiß oder so lange bis die Anfälle vergehen. Wenn aus dem Bad genommen, hülle man es in einen warmen Flanell oder in eine wollene Decke und halte sich nicht einmal mit Abtrocknen auf. Es muß 10 bis 20 Minuten, oder bis die Convulsion aufhört, im Wasser gehalten werden. Wenn sich der Patient in Folge dessen nicht bessert, gebe man eine Einspritzung von lauwarmem Wasser, das mit einem Eßlöffel voll süßen Oels und ein wenig spanischen Seifen- (Castile soap) Wassers vermischt werden mag, und wiederhole es so oft als erforderlich, um eine Entleerung der Eingeweide hervorzurufen.