Allgemeine. Das Zimmer, in dem sich der Kranke befindet, sollte groß und luftig sein. Sorgfalt muß beobachtet werden, daß es mäßig kühl und dunkel ist. Die Kleidung und das Bettzeug des Kranken sollten jeden Tag oder alle zwei Tage gewechselt werden. Man wasche die Augen häufig mit Rosenwasser oder Ulmenrindenwasser (slippery elm), besonders wenn der Eiter aus den Pusteln hineinrinnt. Waschungen von kaltem Wasser, Milch mit Wasser oder schwachem Bleiwasser können im Gesicht angewandt werden, wenn dieses sehr entzündet ist. Die Nasenhöhlen sind vermittelst eines wohlgeölten Kameelhaar-Pinsels, mit welchem man mehrere Male des Tages hineinfährt, offen zu halten. Wenn aus den Symptomen ersichtlich, daß die Pocken zu den in einander laufenden zu zählen sind, sollte das Haar bei dem ersten Erscheinen des Ausschlages kurz geschnitten werden, überhaupt ist dies in jedem anderen Falle auch gut, denn sobald der Eiter aus den Pusteln fließt, wächst das Haar zusammen und bildet eine eckelerregende Masse, auch wird gleichzeitig dadurch die Masse des Ausschlags auf der Kopfhaut, sowie die Neigung zu Gehirnstörungen verringert. Eine Hauptsache bei der Behandlung der Pocken ist, zu verhindern, daß Narben entstehen, und in dieser Richtung werden eine große Anzahl Mittel empfohlen. Ein Mittel, das mit großem Erfolg in dem Kinderhospital von Paris angewendet wird, besteht in einer Mischung von 25 Theilen Mercurial-Salbe, 10 Theilen gelben Wachs und 6 Theilen schwarzen Pech. Andere öffnen jede Pocke, sobald sie blasenartig wird, mit einer Lanzette, und wenden salpeter-saures Silber (nitrate of silver), sehr fein zugespitzt, oder vermittelst des Betupfens mit einer Stecknadel einer sehr starken Auflösung an. Jodtinctur (tincture of iodine) wird sehr empfohlen, welche vermittelst eines Kameelhaarpinsels auf die ganze kranke Oberfläche gestrichen wird. Dr. Stokes von Dublin empfiehlt ein Pflaster von Flachssamen, auf irgend einen weichen Stoff gestrichen und mit geölter Seide oder Gutta-Percha bedeckt. Die Anwendung dieses Pflasters muß vom Beginn der Krankheit bis zum Abtrocknungs-Stadium stattfinden. Das vielleicht wirksamste Mittel ist das von Dr. Bennett von Edinburgh empfohlene. Nämlich ein Pflaster aus 3 Theilen kohlensaurem Zink (carbonate of zinc) und 1 Theil Zink-Oxid (oxide of zinc) in einem Mörser mit soviel Olivenöl, um einen dicken Brei zu bilden, gemischt. Dieses muß dick auf das Gesicht gelegt und sogleich wieder erneuert werden, wenn es sich irgendwo abreiben sollte. Was immer auch angewendet werden mag, so darf es doch nicht später als am dritten Tage angewendet werden.
Eclectische und Kräuterkur. Beim Beginn der Krankheit gebe man ein Brechmittel von dem zusammengesetzten Pulver der Lobelia, wenn einem Erwachsenen, dann Dosen von einem halben Theelöffel voll alle 15 Minuten, bis ungehindert Erbrechen eintritt, wenn einem Kinde — dann Dosen von einem halben bis ganzen Theelöffel voll in Syrup und Wasser alle 15 Minuten. Sind die Fieber-Symptome streng und der Kranke ist verstopft, so gebe man eine Einspritzung von lauwarmem Wasser und verordne ein Seidlitzpulver; das Pulver kann in vier oder sechs Stunden wiederholt werden, wenn es das erste Mal wirkungslos blieb. Gegen die Uebelkeit des Magens gebe man warmen Frauenmünz- oder Pfeffermünzthee (spearmint oder peppermint) mit ein wenig darin aufgelöstem Saleratus, auch eine Einspritzung von Eibisch-Wurzel und Pfirsichblätter (Marshmallow root and peach leaves), sowie auch einen Senfumschlag auf den Unterleib. Bis zum Erscheinen des Ausschlages kann auch der Körper öfter mit warmem schwachem Laugenwasser gebadet werden. Gegen großen Schmerz im Kopf und Kreuz wende Senfpflaster längst des Rückgrats, auf den Knöcheln und Fußsohlen an, auch bade man den Kopf in Essig und Wasser. Gegen den bösen Hals und zur Entfernung des Luftröhrenschleims aus dem Hals gebe man folgendes:
| Blutwurzel (blood root) | 1 | Unze. |
| Lobeliasamen gepulvert | 1 | Unze. |
| Ipecacuanha | 2 | Unzen. |
| Cayenna | ½ | Unze. |
| Whiskey | 1 | Quart. |
Lasse dies eine Woche stehen. Dosis: Gelegentlich einen oder zwei Theelöffel voll. Ein gutes Gurgelwasser ist eine Abkochung von Salbei (Sage) und Isop (Hyssop) mit Borax und Honig. Wenn das premiäre und secundäre Fieber sehr heftig ist, gebe 15 bis 20 Tropfen von Schlangenwurzel-Tinctur (tincture of black Cohosh) alle zwei oder drei Stunden.
Nach dem Erscheinen des Ausschlages kann das folgende mit ausgezeichnetem Erfolg angewendet werden. In ein Pint kochenden Wassers gebe man eine Unze gepulverte Wurzel der Schlangenwurzel (black Cohosh) und lasse davon ein oder zwei Eßlöffel voll alle drei Stunden warm nehmen; setze es fort, bis die Pusteln zu trocknen beginnen. Füllen sich die Pusteln nicht recht und sind schlaff, so gebe man Molkenwein (wine whey) oder Milchpunsch, unbeschränkt; verschwinden sie und schlagen nach Innen, so mögen Theelöffeldosen von der zusammengesetzten Virginischen Schlangenwurzel-Tinctur (Virginia Snake root) oder ein Aufguß von Schlangenwurzel (black Cohosh) in größeren Dosen gegeben werden. Wenn sich bösartige Symptome, sowie eine faulige Diarrhöe einstellen, gebe man einen Theelöffel voll gepulverte Kohle, einen halben Theelöffel voll Salpeter, gemischt, drei- oder viermal des Tages. Auch gleiche Theile von Hopfen-Hefe und Salat-Oel in Eßlöffeldosen.
Homöopathisch. Für das erste oder Fieberstadium ist die Behandlung wie folgt:
Aconitum. — Besonders während des Frostschauers und Fiebers, auch wenn starke Schmerzen im Kopfe, vollen Puls, Delirium und Unerträglichkeit des Lichtes vorhanden ist. Belladonna kann abwechselnd damit gegeben werden, besonders gegen Kopfschmerz und Delirium.
Gegen starke Rückenschmerzen, mit Schmerzen in den Knochen und allgemeines Unwohlsein gebe man Bryonia und Rhus Toxicodendron abwechselnd. Gegen Uebelkeit gebe Tartarus Emeticus. Wird der Patient unempfindlich — bei Betäubung und schnarchendem Athem gebe man Opium, wenn große Unruhe, Reizbarkeit und Schlaflosigkeit vorhanden, gebe man Coffea und Belladonna abwechselnd.
Behandlung im zweiten oder Ausbruchs-Stadium. Wenn das Delirium nach Belladonna nicht verschwindet, gebe man Stramonium, besonders wenn der Ausschlag nicht leicht herauskommt.
Sind aber die Symptome dieses Stadiums nicht streng, so gebe man Tartarus Emeticus und Thuja abwechselnd. Gegen den rauhen, röchelnden Husten gebe man Tartarus Emeticus oder Ipecacuanha.