Die Symptome bestehen in Schmerzen, Lahmheit und Steifheit der verschiedenen Gelenke und anderer Körpertheile. Die Schmerzen verschlimmern sich des Nachts; die Gelenke sind oft angeschwollen, jedoch nicht in dem Grade als bei der acuten Form. Ruht der Patient eine Zeit lang, so wird der affizirte Theil schmerzen und steif sein, was sich aber wieder hebt, nachdem der Kranke sich eine Zeit lang bewegt hat.
Ursachen. Der acute Rheumatismus wird gewöhnlich dadurch herbeigeführt, wenn man sich feuchter und kalter Witterung aussetzt oder feuchte Kleider trägt, in feuchten Betten schläft u.s.w.
Behandlung.
Eclectische und Kräuterkur. Bei der Behandlung des acuten Rheumatismus kommt es vor allem darauf an, reichlichen Schweiß zu erzeugen. Zu diesem Zwecke mag entweder ein warmes Dampfbad benützt werden, oder man bringt den Kranken in ein gut durchwärmtes Bett und legt mit heißem Wasser gefüllte Krüge oder gekochte Welschkornähren um ihn her. Dabei sollte er viel warme Getränke, z. B. Ysop- (Pennyroyal), Katzenmünze- (Catnip) und Flachssamen-Thee trinken. Ein Mittel, das gewöhnlich Schweiß erzeugt, kann aus der zusammengesetzten Tinktur von Virginischer Schlangenwurzel (Compound tinct. of Virginia snake root), welche in einem warmen Aufguß von Pleuresiewurzel (Pleurisy root) gegeben wird, bereitet werden. Wenn die Krankheit mit Störungen in der Leber auftritt, so ist ein Brechmittel, worauf man ein Abführmittel, z. B. Bittersalz oder Catarrh-Pillen (cathartic pills) folgen läßt, sehr nützlich. Auf die schmerzenden und geschwollenen Gelenke lege man warme oder kalte Hopfen- und Lobeliaumschläge, wozu auch Hopfen- und Stechapfelblätter (Stramonium leaves) oder Flachssamenmehl oder Kleie und Roggenmehl brauchbar sind. Manchmal wird der Schmerz gemildert, indem man die schmerzenden Gelenke mit gleichen Theilen von Essig und Whisky einreibt. Das beste Mittel sind jedoch frische Stechapfelblätter, die man zerquetscht, mit ein wenig Wasser anfeuchtet und über die betreffenden Theile legt, indem man dies täglich drei- bis viermal erneuert. Nachdem die warmen Umschläge entfernt sind, sollten die betreffenden Theile mit Baumwollenwatte, die etwa ein Viertel Zoll dick aufzulegen ist und worüber man ein Stück Flanell legt, damit die Wärme und Feuchtigkeit nicht wegzieht, bedeckt werden. Innerlich verwende man eine Mischung von gleichen Theilen von schwarzer Schlangenwurzel-Tinktur (Tinct. of black cohosh) und Zeitlosensamen-Tinktur (Tinct. of Colchicum seeds), in Dosen von 10 zu 60 Tropfen, je nach Umständen alle Stunde, 2 oder 3 Stunden. Während die Symptome und das Fieber sehr heftig sind, füge man jeder Dosis von 3 zu 8 Tropfen Sturmhutwurzel-Tinktur (Tinct. of Aconite root) bei. Mit diesem sollte man jedoch Morgens, wo die Anfälle gewöhnlich nachlassen, aussetzen, und statt dessen ein oder zwei Grane Opium jeder Dosis beifügen.
Ein anderes ausgezeichnetes Mittel ist das folgende:
| Gesättigte Wurzelsumach-Tinktur (Saturated tinct. of Rhus Toxicodendron) | ½ | Unze. |
| Sturmhutwurzel-Tinktur (Tinct. of aconite root) | 2 | Drachmen. |
| Flüchtige Guajak-Tinktur (Volatile tincture of Guaiacum) | 2 | „ |
Mische dieses. Dosis: 30 bis 40 Tropfen alle 2 bis 3 Stunden.
Sehr wirksam werden sich Citronensaft oder warme Limonade, ein Eßlöffel voll alle 2 oder 3 Stunden, erweisen.
Ist eines der inneren Organe, z. B. das Herz, der Magen oder die Leber, vom Rheumatismus befallen, so verordne die zusammengesetzte Tinktur der Virginischen Schlangenwurzel in Dosen von einem Theelöffel voll alle 10 oder 15 Minuten, bis reichlicher Schweiß eintritt.
Bei chronischem Rheumatismus muß die Stuhlöffnung erhalten werden, indem man eine Mischung von zwei Theilen Rhabarber und einem Theil doppeltkohlensaurem Kali (Bi-carbonate of potassa) in Dosen von 3 bis 12 Granen giebt, oder so viel, um einen Stuhlgang täglich zu bewirken.