Viel tragen solche Eigenschaften einer Wärterin zur Beschleunigung einer Wiedergenesung bei. Vor Allem muß sie genau der Anweisung des Arztes Folge leisten und darf es nicht unternehmen, selbst andere Mittel zu verschreiben, oder andere Anweisungen zu geben, wenn solche nicht ihrem eigenen Ermessen nach unbedingt nothwendig werden. Veränderungen in der Behandlung werden zuweilen während der Abwesenheit des Arztes nothwendig, aber der Wechsel muß mit Umsicht geschehen, und sie darf dem Arzte irgend welche Veränderungen, die während seiner Abwesenheit vorgenommen worden sind, nicht verheimlichen.
Zubereitung der Speisen für Kranke und Wiedergenesende.
Es ist sehr genau zu bestimmen, welche Kost Kranken zu reichen ist; häufig kann ein leichter Diätfehler sehr schlimme Folgen nach sich ziehen. Nicht selten wünscht der Kranke gerade das, was ihm am meisten schädlich ist. Je weniger Nahrungsmittel bei starkem Fieber oder Entzündung genommen werden, desto besser wird es sein, und erst nachdem das Fieber nachgelassen hat, ist eine leichte Kost statthaft.
Verursacht irgend ein Nahrungsmittel eine erhöhte Thätigkeit des Herzens, des Pulses, Kopfschmerz, oder Schmerzen in dem Magen oder in den Eingeweiden, so ist dies ein Anzeichen, daß dasselbe schädlich ist. Der Kranke sollte nie zum Essen genöthigt werden; er kann besser, als irgend Jemand anders sagen, was er wünscht. Hat er ein besonderes Verlangen nach irgend etwas, so wird im Allgemeinen angenommen, daß ihm dies gut thun wird.
Wenn sich der Patient nach einer Krankheit wieder bessert, aber noch schwach ist, obgleich er allmählig wieder an Kraft zunimmt, so muß der Kost große Aufmerksamkeit geschenkt werden. In Bezug auf die Speisen, welche zu gestatten sind, muß erinnert werden, daß dieselben vor Allem leicht und nahrhaft sein müssen. Milch ist ebenso leicht, als irgend etwas Anderes, verdaulich und kann jederzeit während der Krankheit oder Wiedergenesung ohne Nachtheil gegeben werden; nur sollte sie stets unmittelbar von der Kuh weg gebraucht werden, denn nachdem sich Sahne gebildet hat, ist sie unverdaulich. Eier, in heißes Wasser geschlagen und leicht gekocht, können ebenfalls gestattet werden. Gekochter Reis ist leicht verdaulich, und während der Wiedergenesung sind Rindfleisch-Thee, Hammelfleisch-Brühe und Hühner zuträglich. Früchte sind zuweilen sehr empfehlenswerth und zu andern Zeiten höchst schädlich. Bei Fieber wird der Saft reifer Orangen sehr erquicken; der fleischige Theil sollte aber stets entfernt werden. Weintrauben mögen gestattet werden, aber man vermeide sorgfältig das Verschlucken der Körner oder Schalen. Ferner gestatte man Citronensaft, Limonade, den aus den Erdbeeren gepreßten und durchgeseiheten Saft. Heißes Wasser über zerquetschte Datteln (tamarinds), Pfirsiche &c., welches man abkühlen läßt, wird zuträglich sein. Thee, Kaffee, Cacao und Chocolate gestatte man weder Kranken noch Wiedergenesenden. Zwieback-Wasser möge als Getränk dienen. Kaltes Wasser kann zu allen Zeiten, wenn es nicht unangenehme Symptome nach sich zieht, mit Vortheil gegeben werden. Reis-, Gerste- und Apfelwasser sind gute Getränke. Gekochter Fisch ist gewöhnlich leicht verdaulich, ebenso Austernbrühe, Schellfisch sollte dagegen verboten werden. Gemüse, wie gekochte Kartoffeln, gekochte rothe Rüben und gekochte Zwiebeln können ohne Nachtheil gegessen, sollten aber in zwei Wassern, bis sie ganz weich sind, gekocht werden.
Brauchbare Anweisungen.
Haferschleim (Gruel) &c. zuzubereiten, ist folgendes ein ausgezeichnetes Recept:
Gieße ein Quart heißes Wasser in ein reines irdenes oder Blechgefäß über einem lebhaften Feuer; kocht es, so füge zwei große Eßlöffel voll Korn- oder Hafermehl hinzu, mische es mit gerade Wasser genug, um es zu verdicken, gebe ein Stück Butter in das Wasser, und wenn zerschmolzen, füge das Mehl hinzu und rühre es ungefähr eine halbe Stunde lang um; dann gebe einen Theetassenkopf voll süße Milch hinzu, und wenn es wieder kocht, werfe die obere Rinde von hartgebackenem Brode, in kleine Stücke geschnitten, hinein, lasse es einige Zeit kochen und füge schließlich noch ein wenig schwarzen Pfeffer, ein wenig Salz, eine Prise geriebene Muscatnuß, noch ein wenig Butter und einen Theelöffel voll französischen Branntwein (French Brandy) bei. Butter, Gewürz und Branntwein müssen ausgelassen werden, sobald der Fall ein bedenklicher ist.
Rindfleisch-Thee (Beef Tea). Man nehme ein Pfund mageres Rindfleisch, schneide es fein, thue es in eine gut verschlossene Flasche und lege dieselbe in einen Kessel warmen Wassers; lasse das Wasser eine geraume Zeit kochen, dann sollte die Flasche herausgenommen und deren Inhalt ausgegossen werden. Man salze den Thee ein wenig und gebe jedesmal einen Theelöffel voll.
Eine andere Weise, denselben zuzubereiten, ist folgende: