ganz jenseits von Gut und Böse hat er nie gestanden. Der alte englische Fluch drückte ihn, keine Folter wurde ihm erspart; diese arme Seele musste alle wahnsinnigen Höllenqualen der Breughel, der Jean van Bosch und Goya bis zur letzten Neige auskosten.
O ja, wäre er ein Verbrecher der Tat, nicht des Gedankens gewesen, hätte er am Galgen sein Dasein beschlossen, statt im Armenkrankenhaus, sein Leben wäre elend und jammervoll gewesen — — doch nicht so schrecklich, als es war.
Aber Tempel erstanden aus den Schädelstätten, Lilienfelder auf blutgedüngten Wiesen. Und wir Glücklichen geniessen die herrlichen Blumen, die aus des Dichters vergiftetem Herzblut erwuchsen.
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Die Quellbächlein plätschern durch den Park der Alhambra. Kleine muntere Bächlein, die plaudern und schwatzen. In den schmalen
kieselgepflasterten Betten springen sie schnell vorbei, schnell wie die guten Stunden in des Dichters Leben dahineilten. Die Stunden, Minuten vielleicht, in denen er harmlos fröhlich sein konnte.
Dann träumte er irgendeinen lustigen Traum. Etwa von dem Manne mit der wunderbar grossen Nase, die alle Welt in Begeisterung setzte, die Maler malten und Herzoginnen küssten. Diese köstliche kleine Geschichte, die in der bizarren Art ihrer Anlage Mark Twain vorweggenommen ist. Nur dass bei Poe die grotesken Übertreibungen viel feiner, viel natürlicher herauskommen, dass sich nirgends ein Wortwitz vordrängend breit macht.
Oder er macht sich über die breiten Bettelsuppen lustig, die die Wochenblätter ihren gutmütigen Lesern auftischen, gibt der Miss Zenobia Unterricht, wie sie einen tüchtigen Blackwoodartikel abzufassen hat, lässt den ehrenwerten Herrn Thingum Bob von der „Weltlaterne“ höchst ergötzlich über seine literarische Laufbahn plaudern. — So leicht, so liebenswürdig und einschmeichelnd ist des Dichters Witz! Wie die Bächlein, die munter
plaudernd durch den Park der Alhambra plätschern — —
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