Es wurde wieder ganz stille.

Plötzlich fragte Vater: „Na, Doktor, was meint denn Ihr Blättchen? Das heißt — eigentlich gelüstet es mich nicht nach der Weisheit.“

„Es ist wohl noch alles unentschieden, Herr Rittmeister.“ Wie das Gluck ... Gluck in der Lampe kam es heraus. „Das Ministerium wird wohl gehen müssen.“

„So ... meinen Sie? Auf das Ministerium kommt’s übrigens spottwenig an. Das heißt: in Preußen muß der König regieren. Punktum.“

Wieder las Vater. Die Zeitung knisterte und knisterte.

Einmal sprach Martha mit ihrer sanften Stimme: „Wilhelm kommt am Sonntag.“ Es klang so viel Glück aus dem Wort und frohe Erwartung. Aber es achtete niemand darauf, nur gerade daß die Jungens aufschauten. In deren Augen war ja doch die Neugier: was bringt Papa uns mit?

Mit einem Male schlug Vater mit der flachen Hand auf das Papier. Und seine Stimme bebte wieder. „Da haben wir’s. Hört mal. Hier, ganz versteckt, steht es: ‚Der bisherige Gesandte am französischen Hofe, Herr von Bismarck-Schönhausen, ist gestern abend von des Königs Majestät zum Staatsminister und interimistischen Vorsitzenden des Staatsministeriums ernannt worden.‘ Das heißt also: Da haben wir den Mann des königlichen Vertrauens. Bismarck-Schönhausen ... Bismarck-Schönhausen ... war der nicht Gesandter in Petersburg, Elisabeth?“

„Ja, ich glaube ... warte einmal ... er hat eine Puttkamer zur Frau ... ich entsinne mich ... von den pommerschen Puttkamers ... Viertlum oder so hieß das Gut.“

„So ... so! Was du nicht immer alles weißt.“

Vater war ganz aufgeregt. Als sich Helene umwandte, sah sie, daß er aufgestanden war und schneller als sonst seinen Lieblingsgang auf dem Läufer in der Diagonale des Zimmers machte. Alle Augenblicke erschien seine Silhouette vor dem hellen Türrahmen. Die Zeitung flatterte in seiner Hand, und er sprach in abgerissenen Worten, halb für sich, halb für die anderen: „Bismarck ... Bismarck-Schönhausen. Das muß der Bismarck sein, der Anno achtundvierzig den Demokraten ordentlich die Wahrheit gezeigt hat. Das heißt: im Vereinigten Landtag ... damals. So ... und ’n Puttkamer aus Viertlum. Hm ... das heißt: eigentlich mag ich diese Herrschaften da nicht, die Blankenburgs und Theddens, die mit dem lieben Gott immer ’n Privatabkommen haben wollen, fast wie Tante Marianne ... ja ... aber wackere, feste Leute sind’s schon, loyal bis in die Knochen, als ob’s Märker wären, die Pommern. Ja ... und was sagen Sie nun eigentlich dazu, Doktor?“