„Leicht würde unser allergnädigster Herr gewiß den Mobilmachungsbefehl nicht unterschreiben“, meinte Wilhelm. „Krieg gegen Österreich — und mit Österreich vielleicht ganz Deutschland gegen uns ... es bleibt ein Wagnis. Ich hoffe immer noch, Bismarck findet einen anderen Ausweg, obwohl oft behauptet wird, er triebe uns dem Kriege zu.“

„... ja ... und Fräulein von Schmettau ließ sich ihr schönes Haar abschneiden ... hat’s an den Coiffeur verkauft und das Geld fürs Vaterland hingegeben ...“

„Daß der Herr von Bismarck den Krieg will, glaube ich nicht. Aber er weiß wohl, daß der Krieg oft eine Notwendigkeit ist, um aus verrotteten Zuständen herauszukommen, und er kennt keine Furcht. Solche Politik treibt er sicher nicht, wie die, die uns arme treue Neuchateller elend im Stich ließ.“

„... ja ... und da hielt ich das kleine Bändchen von Körner in der Hand ... ‚Leyer und Schwert‘ stand darauf ...“

Ganz still saß Helene.

Sie dachte eigentlich nicht an Gaston, daß der mit hinausziehen müßte ins Feld. Es war nur eine unklare, unheimliche Angst in ihr. Harro tauchte vor ihr auf, wie sie ihn zuletzt gesehen hatte: die Primanermütze keck auf dem lockigen Blondhaar. Und Tante Marianne in den schwarzen Trauerkleidern, mit dem blassen Gesicht, das kleiner und immer kleiner zu werden schien. Wie unzählige trauerten gleich ihr, und wie kurz war der Feldzug gegen Dänemark gewesen, wie gewaltig mußte ein Krieg gegen das mächtige Österreich werden. Wie gewaltig, wie blutig.

Plötzlich brausten von der Straße her die lauten Neujahrsrufe. Die Glocken klangen.

„Auf ein glückliches neues Jahr!“ rief Wilhelm. Merivaux stand vor seiner Braut, sah ihr in die Augen. „Ein glückliches neues Jahr, ’elene,“ sagte auch er, und sie wußte, wie er das meinte und verstand. Beide Hände streckte sie ihm hin: „Viel Glück wünsch ich dir, Gaston — all das reiche Glück, das du verdienst!“

Da kamen auch schon die Jungens hereingesprungen, halb angezogen nur, trotz des Verbots. Thede brüllte sein „Prosit Neujahr!“, Hans ging reihherum, seinen Glückwunsch zu sagen. Ganz zuletzt kam er zu Helene und Merivaux, machte ein etwas verlegenes Gesicht und einen etwas linkischen Kratzfuß und begann:

„Das alte Jahr ist nun verschwunden,