Der gelblich-blasse Blütenstaub, den man
Inmitten einer roten Rose sieht,
Ist wie die Blässe meines Angesichtes,

Wenn ich das Mädchen plötzlich vor mir seh.

AUF DER SCHWELLE

IBN IL KHAYAT IL DEMISCHKI

Eines Abends, als sich der Dichter Ibn il Khayat zu seiner Freundin begeben wollte, fiel er, ganz erregt durch den Gedanken, daß er sie wiedersehen sollte, ohnmächtig auf der Schwelle vor der Wohnung der Geliebten nieder. Diese hatte den Fall seines Körpers gehört, kam herbei, öffnete die Tür und neigte sich über den Ohnmächtigen, eine Fackel in der Hand. Ein Tropfen heißes Wachs fiel in das Angesicht des Dichters, und der dadurch verursachte Schmerz führte den Ohnmächtigen schnell in das Bewußtsein zurück. Ibn il Khayat erkannte die Freundin, die sich über ihn neigte, und begrüßte sie, ohne daß er sich die Zeit nahm aufzustehen, mit den folgenden Worten:

O du, beeile dich nicht allzusehr,
Das Feuer an das Antlitz deines Freundes
Zu bringen, – seine Tränen, die für dich,
Für dich nur fließen, würden deine Fackel
Gar schnell verlöschen, eh du dichs versiehst.

Entzünde lieber meinen Leib und alles,
Was an mir ist; nur nimm dich, bitte, bitte,
In acht, mit deinem grimmen Feuer an
Mein Herz zu rühren; dieses darfst du nimmer
Verbrennen, – denn du selbst wohnst ja darin!

GEHEIME LIEBE