Bleib. Geh noch nicht hinweg. Laß mich dir sagen,
Welch wilde Leiden ich um dich ertrug.
Ich möchte wissen, ob auch du um mich
Gelitten hast. Bleib noch und gib mir Antwort,
Ob du das Band der Treue schon zerrissest,
Das dich mit einem Mann verband, der nie,
Auch in Gedanken nie, dir untreu war.

Was hast du während dieses Tags getan,
Da Waffenlärm erklang und da der Sieg
Die Deinen krönte? – O bedenke wohl,
Daß morgen und die kommenden Tage voll
Geheimnisvoller Zukunft sind, die heute
Noch keines Menschen Aug enträtseln kann.

WENN SIE ALLEIN IST

AMR IBN KULTHUM

Wenn sie allein ist, wenn sie nicht die Blicke
Feindlicher Menschen zu befürchten hat,
Dann läßt sie unbekleidet ihre Arme,

Die wohl den Gliedern eines weiblichen
Kameles gleichen, das noch nie gebar.
Und auch ihr Busen ist dann unverhüllt,

Der zwei aus Elfenbein gemachten Bechern,
Die noch kein Mensch jemals berührte, gleicht.
Ihr Leib ist lang und schön geschweift. Die Hüften

Sind schwer von ihres üppigen Fleisches Fülle,
Sie geht verführerisch, – die Türen scheinen
Zu schmal für sie, und ich bin toll nach ihr.

So weiß sind ihre Lenden, daß sie Säulen
Aus Marmor gleichen oder Elfenbein,
Und wenn sie schreitet, klirren ihre Spangen.