Gestorbene Liebe.
In nackter Wüste ruht ein Löwenpaar,
Das gelbe Fell vom gelben Sand abhebend.
Im Schlafe dehnen sich die trägen Glieder.
Erwachend, leckt bedächtig eins das andre,
Und streckt und reckt sich, gähnt, und schläft von neuem.
Ein zweiter Leuenherr zeigt sich in Fernen.
Er nähert sich, er stockt, als die Genossen
Er unbekümmert vor sich liegen sieht.
Nun peitscht sein Schweif, nach Katzenart, die Erde,
Er reißt den Rachen auf wie eine Torfahrt,
Und Donner rollt ihm aus dem heißen Schlunde.
Er kauert sich, und knurrt, und äugt hinüber.
Schwerfällig wird das Ehepärchen munter,
Schwerfällig kommt es endlich auf die Beine.
Der zweite Nobel holt zum Sprunge aus,
Und springt, und springt dem Weibchen an die Seite.
Das Weibchen dann trabt mit dem Seladon
Gemütlich einem Felsendache zu.
Das Männchen stutzt, will brüllen, schweigt,
Und legt sich wieder nieder: Lat ehr lopen.
Der Genius.
Gewitter drückt auf Sanssouci,
Ich stand im Park und schaute
Zum Schloß hinan, das ein Genie
Für seine Seele baute.
Und Nacht: Aus schwarzer Pracht ein Blitz,
Vom Himmel jäh gesendet,
Und oben steht der Alte Fritz,
Wo die Terrasse endet.
Ein Augenblick! Grell, beinernblaß,
Den Krückstock schräg zur Erde,
Verachtung steint und Menschenhaß
Ihm Antlitz und Gebärde.
Einsamer König, mir ein Gott,
Ich sah an deinem Munde
Den herben Zug von Stolz und Spott
Aus deiner Sterbestunde.
Denselben Zug, der streng und hart
Verrät die Adelsgeister,
Der aus der Totenmaske starrt
Bei jedem großen Meister.