Ich liege mit einer Frau im offnen Fenster.
Die beiden Arme ruhen beieinander.
Wir schaun hinab in ein Blumengärtchen.
Blicken beide stumm auf eine rote Nelke.
Wir wissen, daß wir jetzt und so uns lieben.
Auch: daß wir niemals mehr uns lieben werden
Nach diesem Augenblick.

Ja in der Jugend …

Ja in der Jugend war ich der starke Junge,
Schleppte die stärksten Helden an meinem Tau;
Aber da wässerte mir die Zunge,
Und da hing ich am Arm einer Ehefrau.

Ich hab' eine schöne Tochter, einen stolzen Sohn.
Die lehnen rechts und links an meinem steilen Thron.
Ich bin in der Höhe der Kaiser.
Aber mein Haar wird stündlich weißer.
Sie lächeln, sie flüstern in der Tiefe in geheimem Ton.

Nun beugt die Nacht …

Nun beugt die Nacht sich singend über mich.
Ich ward erwählter Liebling der Natur.
In einer Barke liegend
Einen blauen Strom hinab durch grüne Landschaft,
Die Sonneseele über mir, Fahnen
Am Ufer, tönt Musik, und Festtagmenschen –
O Seele! volles, volles Leben!
Einem schäumenden Silberwassersturze treib' ich zu.
Stolze Klippen! jubelnd grüßt euch
Das reichste Herz! seid würdig,
Schmettert kühn hinab!

Wann ich von dir gehe …

Wann ich von dir gehe,
Noch schallt die Marmortreppe unter mir,
Verwandelt sich mein Antlitz, meine Haltung –
Werd' ich zum Wurm? – werd' ich zum Engel?

Aus dunklen Wäldern kam ich her zu dir
In die strahlende Marmorstadt.
Küsse mich
In goldenen Strähnen!
Doch in mir sind die dunklen Eibenwälder.

Auf steilem Felsrücken …