Heiterkeit, güldene, komm!
Du des Todes
Heimlichster, süßester Vorgenuß!
– Lief ich zu rasch meines Wegs?
Jetzt erst, wo der Fuß müde ward,
Holt dein Blick mich noch ein,
Holt dein Glück mich noch ein.
Rings nur Welle und Spiel.
Was je schwer war,
Sank in blaue Vergessenheit, –
Müßig steht nun mein Kahn.
Sturm und Fahrt – wie verlernt' er das!
Wunsch und Hoffen ertrank,
Glatt liegt Seele und Meer.
Siebente Einsamkeit!
Nie empfand ich
Näher mir süße Sicherheit,
Wärmer der Sonne Blick.
– Glüht nicht das Eis meiner Gipfel noch?
Silbern, leicht, ein Fisch,
Schwimmt nun mein Nachen hinaus …
Rainer Maria Rilke.
Geboren am 4. Dezember 1875 in Prag. – Erste Gedichte 1895. Frühe Gedichte 1900. Das Buch der Bilder 1903. Das Stundenbuch 1905. Neue Gedichte 1907. Requiem 1909. Das Marienleben 1912.
Ernste Stunde.
Wer jetzt weint irgendwo in der Welt,
Ohne Grund weint in der Welt,
Weint über mich.
Wer jetzt lacht irgendwo in der Nacht,
Ohne Grund lacht in der Nacht,
Lacht mich aus.
Wer jetzt geht irgendwo in der Welt,
Ohne Grund geht in der Welt,
Geht zu mir.
Wer jetzt stirbt irgendwo in der Welt,
Ohne Grund stirbt in der Welt,
Sieht mich an.