Leo Sternberg.

Geboren am 7. Oktober 1876 zu Limburg a. d. Lahn. – Küsten 1904. Fahnen 1907. Neue Gedichte 1908.

Der Wartende.

Geöffnet sind meine Fenster;
Ich trete zum einen, zum andern –
Aber der Vogel der Ferne
Fliegt nicht herein.

Ich schließe die Augen und sage
Mir fest: „Er kommt nicht!“ Ich denke:
Plötzlich schlägst du den Blick auf,
Und – er ist da! …

Und – er ist nicht da! Vergebens!
Wieder warten! Warten!
Durch die verengte Kehle
Drückt sich ein Kiesel hinab.

Wie, wenn es Nacht würde? Nein! …
– Herz, wie du eilst! – Und ich müßte
Schließen die Fenster? Der Vogel
Käme nicht mehr? …

Soviel Lüftchen …

Soviel Lüftchen wehn und vergehn,
Soviel Klänge durchziehen mich leis.
Was mögen sie singen? Für wen?
Wer weiß!

Kaum daß du flüstern hörst
Und achtest, was es sei;
Wie wenn du Geister störst –
Vorbei.