Das Abendrot verglüht –
Die Weiden stehn und schweigen –
Und immer noch so eigen
Tönt fern das traurige Lied.
Der letzte Ton verklingt. –
Ich möchte zu ihr gehen.
Wir müßten uns wohl verstehen,
Da sie so traurig singt.
Ich liebe unter allen …
Ich liebe unter allen die am meisten,
Die unsichtbare Kronen tragen.
Wohl lieb' ich auch die heitern jungen Häupter,
Auf deren Locken Rosenkränze liegen,
Das Haupt, das sinnende Gedanken beugten,
Der Demut frommgesenkte Kinderstirn;
Doch lieb' ich unter allen die am meisten,
Die frei und königlich im Leben stehn
Und unsichtbare Kronen tragen.
So in die still verschneite Nacht …
So in die still verschneite Nacht
Blick' ich hinaus;
Die alte Sehnsucht ist erwacht
Und singt und flüstert, weint und lacht
Und lacht mich aus.
Sie zieht um mich den Zauberkreis
Von Wunsch und Wahn;
Sie spricht wie du so scheu und leis;
Sie starrt mich an so traurig heiß,
Wie du getan.
Kein Liebeswort …
Kein Liebeswort ist zwischen uns gefallen.
Du hast mir nicht einmal die Hand geküßt,
Wie mancher tat, der mir nicht teuer war.
Ich sprach mit dir wie mit den andern allen.
Der du mir Licht und Luft gewesen bist
Und Lebensodem dieses ganze Jahr.
Doch das, was deine Augen mir verkündet,
Die leuchtenden Verräter, halt' ich fest,
Sowie in Sturm und Schnee ein armes Kind
Sein Püppchen hält und wunderherrlich findet
Und immer wieder zärtlich an sich preßt,
Neidlos auf die, die reich und glücklich sind.