Noch immer sind Schritte am Pflaster draußen.
Sie kommen und gehen in kurzen Pausen,
Als ob da Schritte ohne Menschen hausen.
Die Berge werden wie dunkle Kissen,
Drauf ruhn die Abendstunden, welche die Sonne vermissen.
Der Himmel steht wie ein sehnsüchtig Aug' hell aufgerissen.
Jakob Julius David.
Geboren am 6. Februar 1859 zu Weißkirchen in Mähren, studierte deutsche Philologie in Wien, lebte daselbst als Schriftsteller und starb am 20. November 1906. – Gedichte 1892.
Mein Lied.
Ich weiß, mein Lied wird nie gesungen
Von jungen Stimmen hell im Chor;
Doch sagt's, vom Dämmern lind bezwungen,
Vielleicht ein Träumer gern sich vor.
Ob vieles zur Vollendung fehle,
Er hört, in Lauten trüb und bang,
Das Atmen einer müden Seele,
Die hart um Licht und Leben rang.
Es dunkelt. Und wenn lind und leise
So Form wie Farbe rings verschwimmt,
Erklingt in meiner Brust die Weise,
So dämmerfroh und unbestimmt.
Und wenn dann, tief in seinem Innern,
Ein Abglanz meines Leids ersteht,
Soll er des Dichters sich erinnern,
Des Name längst im Wind verweht …
Im Volkston.
Ich hab' kein Haus, ich hab' kein Nest,
Ich hab' kein Hochzeit und kein Fest;
Ich hab' kein Hof, ich hab' kein Feld,
Ich hab' kein Heimat auf der Welt.
Am Himmel selbst der Schauerstrich,
Den fürchten sie nicht so wie mich;
Mir geht's nicht gut, mir geht's nicht schlecht –
Und so, gerade so ist's recht …