Rosenglut.

An manchem Abend weht mich Sehnsucht an,
Dann fühl' ich, wie du liebend zu mir strebst,
Und halberregte Wünsche spür' ich dann
Und wie du nach mir bebst.
Dann muß dein Blut von neuen Wundern träumen,
Weil so das meine klingt und loht,
Vor meinem Haus, von allen Bäumen
Lockt glühender das Abendrot.

Wenn dann die Wächter von den Türmen blasen,
Will ganz mein Herz nach dir vergehn ..
Ich glaube dich über den stillen Rasen
Mit lauter Rosen kommen zu sehn …

Jugend.

Am Schlehdorn, am Schlehdorn –
Wißt ihr, wo der steht?
Da sprach der Hirtenknabe
Sein Morgengebet.
Trieb die Schafe dann auf die Weide
Hin durch den sonnigen Raum;
Über die blühende Heide
Träumte sein junger Traum.

Am Schlehdorn, am Schlehdorn –
Wißt ihr, wo der steht?
Da sprach eine junge Dirne
Ihr Abendgebet.
Und der Wind kam von der Heiden
Und küßte ihres Kleides Saum ..
Die beiden, die beiden
Träumten den ersten Traum.

Abendlied.

Du ferne Flöte
Hinter dem Hügel dort,
Wie sprichst du glühenden Klangs,
Was mein Herz verschweigen muß,
Wie bebst du zitternd dahin
Über die Apfelblüten im Mondlicht,
Daß die Schatten der Bäume
Zu schwinden scheinen
Und alles in Glanz getauchte
Selige Sehnsucht wird,
Aus Menschenschmerz leise sich ringend:
Selige Lebensglut.
Einsame Stimme du
Hinter dem Hügel dort,
Mein Herz, mein Herz sprichst du aus.

Ein Gastgeschenk.

Mit leisem Herzen trat ich in dein Zimmer;
Die Rosen blühten auf; das Fenster klang.
Und von den Gärten draußen kam noch immer
Der weiche sehnsuchtsvolle Jünglingssang.