Ich mußte lächeln.

»Gewiß finde ich das«, entgegnete ich. »Vielleicht haben Sie die Freundlichkeit, sich einmal dort vor dem Hause aufzustellen, damit ich die Wirkung sehe.«

Sie lief hinüber.

Komteß Anna sprach: »Leonore hat recht, – sehen Sie, wie reizend sie dort zwischen den Blumen steht?«

»Ja«, sagte ich, »schade, daß ich nicht eher darauf gekommen bin! Schade! Wenn Sie wüßten, Komteß, wie Ihre Freundin mich malerisch entzückt!« Zu Leonore rief ich hinüber: »Kommen Sie, ich werde sonst traurig, wenn ich Sie noch länger so stehen sehe. Warum sind Sie nicht eher nach Carnin gekommen? Wie gern würde ich Sie malen! Ich möchte eine Skizze von Ihnen machen, heute nachmittag, darf ich?«

»Gern.«

»Hier im Park, in der Sonne, ich freue mich darauf.«

Komteß Anna drängte, zu gehen. Die Mädchen wollten eine Morgenwanderung in die Marsch unternehmen. Sie verabschiedeten sich und verschwanden zwischen den Bäumen. Ich sah die hellen Kleider sich verlieren im Dunkelgrün. Dann arbeitete ich weiter, voll Mißmut. Ich sehnte mich nach andrer Arbeit, aber ich mußte doch meine armen Bilder fertig machen ...

Gegen Mittag kam ich, eine Leinwand unter dem Arm, vom Park her über den Rasenplatz vor dem Schloß. Ich hörte schon aus der Ferne Lachen und Rufe. Die Mädchen spielten Tennis, mit Charlotte und dem Assessor. Fred und Klaus hoben die Bälle auf. Ich blieb, um die Ecke des Schlosses biegend, stehen und sah gerade, wie Leonore, den Schläger mit allen Kräften schwingend, sich hoch auf den Zehen erhob und den Ball durch die Lüfte jagte. Sie stieß einen kleinen Schrei dabei aus, ihr Kleid hatte einen wirbelnden Schwung um die Fesseln der Füße.

Schön, schön, schön! dachte ich. Wundervoll! Sie hat eine Hingabe in der Bewegung ...