In treuer Freundschaft

Leipzig,Dein
am Reformationsfeste 1878.Hans Blum.

[Inhaltsverzeichniß.]

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Vorrede[V]
Inhaltsverzeichniß[XI]
1. Kindheit (1807–1817)[1]
Die bisherige Literatur über Robert Blum’s Leben. [1]. Seine Charakteristik. [3]. Herkunft. [5]. Der Vater. [5]. Die Mutter. [7]. Erste Kindheit. [8]. Des Vaters Tod. [9]. Der Stiefvater. [11]. Tiefstes Elend. [13]. Frühe Gemüths- und Charakterbildung. [14]. Die Hungerjahre 1816/17. [16].
2. Schule und Kirche (1813–1820)[17]
Die Rheinprovinz in den ersten Jahren ihrer Zugehörigkeit zu Preußen. [17]. Erster Schulunterricht. [20]. Tante Agnes. [20]. Communion. [25]. Robert, Meßdiener. [26]. Seine Beobachtungen. [26]. Zweifel. [28]. Ketzergericht. [29]. Absolution. [30]. Im Gymnasium. [31]. Plötzliches Ende der Schulzeit. [32].
3. Lehr- und Wanderjahre (1820–1827)[33]
Roberts Lehrjahre. [33]. Beim Goldarbeiter Asthöver. [35]. Beim Gelbgießer Räder. [37]. Gesellenfahrten und Wandertagebuch. [39]. Arbeitslos. [41]. Von Schmitz angestellt. [42].
4. Bei J. W. Schmitz (1827–1830)[43]
J. W. Schmitz. [43]. Blum’s Stellung bei demselben. [47]. Süddeutsche Reise mit Schmitz. [48]. In München. [49]. (Arbeiten und Studien. [50].) Zurück nach Köln. [52]. Reise nach Berlin. [53]. In Berlin. [54]. Einberufung zur Fahne. [56]. Wieder in Berlin, mittellos. [57]. Correspondenz und Conflikt mit Schmitz. [58]. Entlassung Blum’s. [60].
5. Theaterdiener und Dichter (1830–1832)[61]
Stellung bei Ringelhardt. [62]. Erstes poetisches Schaffen. [65]. Politische Gedichte. [66]. Nationaler Standpunkt. [68]. Idealismus. [69]. Erneute schwere Sorgen. [70]. Die Theaterbibliothek. [70]. Humor und Satire. [71]. Sentenzen. [72]. Dramen. [73]. („Die Befreiung von Candia“. [74].) Nach Leipzig! [75].
6. Die ersten Jahre in Leipzig (1832–1836)[76]
Leipzig Anfang der dreißiger Jahre. [76]. Die Literatengesellschaft. [80]. Blum über die Leipziger Messe (1834). [81]. Ueber die Leipzig-Dresdner Bahn (1834). [83]. Ueber die literarische Production (1834). [84]. Eigenes Schaffen. [85]. Stellung beim Theater. [86]. Reise in die Sächs. Schweiz. [86]. Auguste Forster. [87]. Eintritt in den Freimaurerbund. [89]. Späteres Urtheil darüber. [91].
7. Erstes politisches Wirken. Eigene Häuslichkeit (1837. 1838)[92]
Das politische Leben in Sachsen von 1831 bis 1836. [92]. Der Leipziger Freundeskreis. [94]. Erste Schritte in die Oeffentlichkeit. [96]. Das Fest zu Lützen. [96]. Die sieben Göttinger. [101]. Die erste Rede Blum’s. [103]. Prolog. [104]. Verkehr mit der Provinz. [105]. Adelheid Mey. [105]. Heirath. [107]. Theaterlexicon. [107]. Reise nach Berlin. [109]. Erkrankung Adelheid’s. [110]. Ihr Tod. [112]. Begräbniß. [113]. Visionen. [114]. Allmählicher Trost in Arbeit. [115].
8. Neue Hoffnungen. Eugenie Günther (1839. 1840)[117]
Neue Hoffnungen. [118]. Eugenie Günther. [119]. Briefwechsel mit Eugenie Günther. [121]. „Wühlerei“. [131]. Die Mainzer Besprechung. [135]. Die Reise nach Frankfurt. [137]. Hochzeit und junge Häuslichkeit. [139].
9. Wachsendes öffentliches Wirken (1840–1844)[140]
Sachsen seit 1840. [140]. Jubiläum der Erfindung der Buchdruckerkunst. [143]. Der Schriftstellerverein. [145]. Schillerverein und Reden zum Schillerfest. [147]. Agitation in der Presse. [149]. Die Vaterlandsblätter. [150]. Der Verfassungsfreund. [152]. Das Taschenbuch Vorwärts. [155]. Sächsischer Landtag 1842/43. [157]. (Gährungsstoffe. [157]. Adresse. [158]. Preßgesetz. [159]. Strafproceßordnung. [160].) Nachwirkung der Kammerverhandlungen. [161].
10. Die Reaction unter Könneritz. Die deutsch-katholische Bewegung (1843–1845)[163]
Die Reaction unter Könneritz. [163]. Maßregelung von Schriftstellern. [164]. Anklage und Prozeß gegen Blum. [164]. Verurtheilung. [166]. Ein fideles Gefängniß. [167]. Persönliche Verhältnisse dieser Zeit. [168]. Ueber den Beruf des Mannes. [171]. Die deutsch-katholische Bewegung. [172]. (Rede bei Gründung der Leipziger Gemeinde. [175]. Das Leipziger Concil. [179]. Weltliche Zwecke. [180].)
11. Wachsende Gährung in Sachsen. Die Leipziger Augustereignisse (1845)[181]
Die kirchliche Haltung und Politik der Regierung. [181]. Die Juli-Verordnung. Wachsende Gährung. [184]. Prinz Johann. [186]. Der [12]. August in Leipzig. [187]. Aufregung. [194]. Der [13]. August. Gerüchte. Rathlosigkeit der Behörden. [196]. Schützenhausversammlung. [197]. Robert Blum’s Auftreten und Rede. [198]. Auf dem Rathhaus. [200]. Lähmung der Behörden. [201]. Adressen der Gemeindebehörden. [203]. Bescheid des Königs. [204]. Das Begräbniß. [204]. Standpunkt der Regierung (Herr v. Langenn und Militärmassen in Leipzig). [205]. Des Königs Antwort. [207]. Die Leipziger Untersuchungscommission. [208]. Erörterungen gegen Blum. [209]. Verbote. [210]. Klägliche Haltung der Gemeindevertretung. [211]. Entrüstung in Deutschland. [212]. Dankadressen an Blum. [212]. Wahl desselben zum Stadtverordneten. [213]. Sein Brief über die Augustereignisse an Joh. Jacoby. [213].
12. Die letzten Jahre vor der Revolution (1846. 1847)[215]
Der Sächsische Landtag 1845/46. [215]. (Die Opposition. [216]. Blum’s Petition. [216]. Thronrede und Adresse. [217]. Adreßdebatte. Strafprozeßordnung. [218]. Die kirchlichen Fragen. [219]. Die Preßzustände. [220]. Der Feudalismus. [221]. Die Leipziger Augustereignisse vor dem Landtag. [221].) Ovationen für die Getreuen und Vaterlandslieder. [225]. Persönliches (Stellung Blum’s im Stadtv.-Collegium) [227]. Die Constit. Staatsb. Zeitung. [229]. Ernst Keil’s Leuchtthurm. [230]. Häusliche Sorge. [231]. Heldenthaten der Reaction. [231]. Nichtbestätigung Blum’s als Stadtrath. [233]. Blum’s polnische Schwächen. [234]. Die Theuerung 1846/47. [235]. (Broschüre Blum’s. [236].) Außerordentlicher Landtag 1847. [237]. Carlowitz, Ministerpräsident. [238]. Volksbuchhandlung Blum’s auf Actien. [238]. Kündigung an den Theaterdirector Schmidt. [239]. Verlag von R. Blum & Comp. und das Volksthüml. Staatslexicon. [241]. Urtheil Robert v. Mohl’s darüber. [241]. Blum über Socialismus und Communismus. [243]. „Den Frauen!“ [246].
13. Die Jubelwochen der Revolution (Februar und März 1848)[247]
Das Jahr 1848. [247]. Leipzig nach der Februarrevolution. [250]. Einmüthigkeit der Parteien, Adresse. [251]. Blum’s Rede am 3. März. [253]. Stadtv.-Sitzung, v. 4. März. [254]. Die zweite Deputation und Beginn einer Nachgiebigkeit in Dresden. [255]. Falkensteins Rücktritt. [256]. Proclamation des Königs. [257]. Stadtv.-Sitzung vom 7. März. [257]. Die Vorstellung der Universität. [258]. Schwankende Haltung der Regierung. [259]. (Strenge Maßregeln. [260]. Carlowitz in Leipzig. [261]. Bedenkliche Gährung. [261]. Die Landesversammlung im Schützenhause. [262]. Carlowitz’ Abreise. [263].) Das Märzministerium. [264]. Programm desselben. [265]. Das Sächs. Parteiwesen. [267]. Die Vaterlandsvereine. [268]. Abreise Blum’s zum Vorparlament. [269].
14. Im Vorparlament und Fünfzigerausschuß (Ende März bis 18. Mai 1848)[269]
Allgemeines über Blum’s Stellung. [269]. Das Vorparlament. [286]. Blum, Vicepräsident, seine vermittelnde Stellung. [287]. Herrn Laube’s Zerrbilder von Blum. [289]. Erster Tag im Vorparlament. [291]. Erste Rede im Vorparlament. [292]. Das Wahlgesetz. [294]. Die Permanenzfrage. [295]. Der Antrag Zitz. [297]. Das Amendement Bassermann und Blum’s Erklärung. [298]. Die Wahlen zum Fünfzigerausschuß. [299]. v. Soiron’s „Einzig und Allein“. [300]. Der Fünfzigerausschuß. [302]. Sendungen Blum’s (nach Aachen, Köln u. s. w.). [303]. Der Badische Aufstand. [305]. Beschuldigung der Begünstigung gegen Blum. [306]. Das Triumvirat und v. Lepel’s Promemoria. [307]. Schluß des Fünfzigerausschusses. [309].
15. Im Parlament (Bis zur Einsetzung der provisor. Centralgewalt. Mai bis Juli 1848.)[309]
Wahlsorgen Blum’s. [309]. Parlamentseröffnung. [315]. Gagern’s Präsidialantritt. [316]. Der Verfassungsentwurf der Siebzehner und die Regierungen. [317]. Die Linke und Blum’s Führerschaft. [318]. Arbeitslast. [319]. Die Parlamente der Einzelstaaten. [320]. Die Mainzer Angelegenheit. [321]. (Blum’s Rede. [322]. Die Entscheidung. [323]. Folgen für Blum. [324].) Verhandlungen über den Antrag Raveaux. [325]. (Blum’s Rede. [327]. Die Versöhnung. [328].) Der Conflikt Blum-Auerswald. [329]. Die Pfingstreise der Linken in die Pfalz. [333]. Die deutsche Flotte. [339]. Die Verhandlungen über die provisorische Centralgewalt. [340]. (Blum’s Rede am 20. Juni. [342]. am 24. Juni. [348]. Die Entscheidung, Gagern’s kühner Griff. [357].) Der Reichsverweser. [357]. Dessen Wahl und Einsetzung. [359]. Briefe Blum’s aus diesen Tagen. [361].
16. Im Parlament und Daheim (Juli und August 1848 bis zum Conflikt über den Malmöer Waffenstillstand.)[366]
Auseinandersetzungen mit dem Bundestag. [366]. Conflikt mit Hannover. [369]. Reichsminister. [370]. Preußens Vorschlag vom 17. Juli. [370]. Die Huldigung der Bundestruppen an den Reichsverweser. [371]. Vermehrung des deutschen Heeres. [372]. Die Polenfrage. [374]. (Blum’s Rede. [375]. Entscheidung und Folgen. [381].) Die Amnestiefrage und Hecker’s Wahl. [382]. Die Grundrechte. [382]. Die Zustände in Sachsen. [384]. (Der Landtag und das Wahlgesetz. [385]. Stellung zum Deutschen Verfassungswerk. [386]. Die Versammlung der Vaterlandsvereine in Dresden, am 9. Juli. [388]. Zwiespalt in den Vaterlandsvereinen. [392].) Blum’s Reise nach Leipzig. [393]. (Daheim, S. [394]. Die Rede im Schützenhause am 16. August. [396].) Spaltung der Vaterlandsvereine. [409]. Jäkel, der Sieger. [411].
17. Der Waffenstillstand von Malmö. Die Frankfurter Septembertage[414]
Der Waffenstillstand von Malmö. [414]. Der Conflikt mit dem Parlament. [417]. Die Redeschlacht. [418]. Ministerkrisis. [419]. Das Ende der Krisis. [420]. Die zweite Verhandlung im Parlament. [421]. (Blum’s Rede am 16. Sept. [422]. Die Entscheidung. [436].) Sturm. [437]. Das Gewitter zieht herauf. [438]. (der Artikel der Reichstagszeitung vom 19. September. [439].) Die Versammlung der Pfingstweide. [440]. Die Clubs der Linken am Abend. [422]. Der 18. September. [443]. Der Sieg und seine Folgen. [446]. Briefe Blum’s aus diesen Tagen. [447]. Die Verhältnisse in Sachsen. [450]. (Jäkel gegen die Frankfurter Linke. [451]. Absage Blum’s an die Vaterlandsblätter. [454]. Rüder’s Brief. [455]. Bruch mit Jäkel. [456].) Motive der Reise nach Wien. [456].
18. Nach Wien und in Wien. (Wiener Octoberrevolution 1848)[457]
Die Verhältnisse Oesterreichs. [458]. Die Verhältnisse in Wien. [463]. (Der 6. October in Wien [464]. und die Frankfurter Linke [466].) Blum’s Reise nach Wien. [467]. Die Lage in Wien bei seiner Ankunft. [467]. Jelačić. [468]. Blum’s erste Tage in Wien. [470]. Entschluß zur Rückreise. [472]. Die Wiener Behörden. [473]. Wenzel Messenhauser. [474]. Anarchische Elemente. [478]. Gezwungenes Ausharren in Wien. [479]. Fürst Windischgrätz. [482]. (Seine geheime Verschwörung mit dem Hofe. [482]. Seine Auflehnung gegen Latour. [483]. Intriguen mit dem Hofe in Olmütz. [484]. Windischgrätz. Dictator. [485]. Sein historischer Charakter. [486].) Aufmarsch gegen Wien. [488]. Die Proclamation vom 20. October. [488]. Die Reichscommissare. [489]. Stimmung in Wien. [489]. Blum’s Rede in der Aula den 23. Oktober. [490]. Sein Artikel im „Radikalen“ vom 24. Oktober. [493]. Windischgrätz’ Proclamation und Bedingungen vom 23. October. [495]. Beginn des Kampfes. [497]. Fortschreitender Angriff auf die Stadt. [498]. Blum, Hauptmann im Elite-Corps. [499]. (Sein Antheil am Kampfe. [500]. Im Feuer. [501].) Siegreiches Vordringen der Truppen. [504]. Die Gräuel der Soldaten. [506]. Die Kapitulation. [508]. Blum für Uebergabe. [510]. Verhängnißvolle Zögerung des Fürsten. [511]. Die Ungarn kommen! [512]. Kapitulationsbruch und Pöbelherrschaft. [513]. Herrn v. Helfert’s Verleumdung gegen Blum. [514]. Unterwerfung Wiens. [516].
19. Robert Blum’s Gefangennehmung, Proceß und Tod[517]
Militairdespotie in Wien. [517]. Schreiben Blum’s an Csorich vom 2. November. [520]. Csorich an Cordon am 2. November. [521]. Blum und Genossen an Cordon den 3. November. [522]. Verhaftung Blum’s und Fröbel’s. [523]. Das Verhalten des sächsischen Gesandten v. Könneritz. [525]. Das Unverletzlichkeitsgesetz vom 29/30. Sept. und seine Gültigkeit für Oesterreich. [531]. Schreiben Blum’s vom 5. Nov. an den Präsidenten der Nationalversammlung. [533]. Geheime Verhandlungen Windischgrätz’ mit Olmütz. [534]. Stimmung Blum’s. [537]. Der räthselhafte Padovani. [539]. Beschwerde Blum’s vom 7. November. [543]. Verfügung Cordon’s. [544]. Beweiserhebungen am 8. November. [544]. Protest Blum’s am 8. November. [545]. Der Befehl aus Schönbrunn. [548]. Verhör Blum’s. [549]. Rechtliche Beurtheilung des Processes wider Blum. [554]. Politische Beurtheilung des Processes. [559]. Das Urtheil. [561]. Blum’s letzte Nacht. [561]. Blum’s letzte Stunden. [564]. (Gespräch mit P. Raimund. [564]. Bekehrung?! [565]. Letzte Briefe. [568].) Die Fahrt nach der Brigittenau. [569]. Blum’s Ende. [570].
20. Deutschlands Todtenklage[572]
Offizielle Schritte. [574]. Todtenklage des Volkes. [577]. Schluß. [579].
Alphabetisches Namensverzeichniß[581]

[1. Kindheit.]

Einer langen Einleitung bedarf das Unternehmen, das Leben Robert Blum’s zu schreiben, nicht.[1] Obwohl beinahe dreißig Jahre seit seinem Tode verflossen sind und Deutschland seither in allen seinen öffentlichen Verhältnissen sich von Grund aus verwandelt hat, ist Robert Blum dennoch bei der großen Mehrzahl des deutschen Volkes unvergessen. Viele seiner Mitstreiter und Gegner aus der ersten deutschen Nationalversammlung haben ihn überlebt und seither hervorragenden und rühmlichen Antheil an der politischen Arbeit des deutschen Volkes genommen: Präsident Simson, Biedermann, Grumbrecht, Löwe, Schaffrath, Ruge &c. Aber dennoch kann sich kaum Einer von ihnen mit der Popularität des todten Robert Blum messen. Mit rührendster Beharrlichkeit und Zähigkeit hängt das deutsche Volk an dem Andenken dieses Todten. Zeugniß dafür bietet die Thatsache, daß noch heute das Bildniß dieses Mannes nicht nur in Sachsen, dem Hauptschauplatz seines Manneswirkens, in so vielen Häusern und Hütten getroffen wird; auch hoch oben im baierischen und badischen Gebirge, wo Robert Blum nie gewesen, hat Verfasser dieses noch Jahrzehnte nach Blum’s Tode dessen Bildniß in Wirtschaften und Privathäusern getroffen. Von dem Stuhl Robert Blum’s in der Paulskirche zu Frankfurt war zuletzt kaum ein Spahn mehr übrig. Jeder Besucher des einstigen Sitzungssaales des ersten deutschen Parlaments nahm sich, soweit der Vorrath reichte, einen Splitter dieses Sessels zum Andenken mit.

Der Grund der unverwelklichen Liebe und Verehrung, die das Volk an diesen Namen heftet, ist einfach genug. Robert Blum hat in seiner Kindheit und Jugend die Leiden der Armuth gekostet, wie selten ein Anderer. Er hat schon als ganz junger Mensch lange schmerzliche Blicke gethan in die tiefsten Tiefen leiblichen und geistigen menschlichen Elends. Ihm ist der herbste Schmerz nicht erspart geblieben, der eine reichbegabte, wissensdurstige Natur erfüllen kann: der Schmerz aus Armuth dem Lernen, jeder höheren Bildung entsagen, mit einfacher Handarbeit sein Brod verdienen zu müssen. Robert Blum ist mit eigener Kraft aus diesem ihm von einem harten Schicksal vorgezeichneten, scheinbar unübersteiglichen Lebenskreise immer freier und größer herausgewachsen. Er hat begonnen, mit unvergleichlicher Ausdauer an seiner eigenen geistigen Fortbildung, seiner Befreiung aus den Banden der Armuth und Unbildung zu arbeiten. Er hat mit jedem Schritte, der ihn unabhängiger stellte und seine Gesichtspunkte erweiterte, auch weitere Ziele in’s Auge gefaßt. Von den Interessen seiner Person, seiner freien Seele, seiner Familie, seines Standes, seiner Stadt, seiner Religionsgenossen, ist er vorgeschritten zu dem Streben, die heiligsten und wichtigsten Angelegenheiten seines ganzen Volkes zu vertreten. Die Leiden und Kümmernisse wie die berechtigten Forderungen des Arbeiters haben niemals einen beredteren und uneigennützigeren Anwalt gefunden, als Robert Blum.

In wunderbarem Maße war ihm die Macht der Rede gegeben: niemals hat ein Mann so wie er verstanden, aufgeregte Massen zu beschwichtigen, als wären Tausende seines Sinnes, als geböte ein milder Vater dem ungeberdigen Kinde. Und dieses reiche, kraftvolle Leben, dessen letzter Theil, mit Aufopferung und großherziger Verleugnung aller eigenen Interessen, nur seinem Volke gewidmet war, hat Robert Blum gekrönt durch seinen in der Blüthe der Jahre muthig erlittenen Tod. Dieser Tod vor Allem macht ihn noch der Gegenwart theuer. Denn Robert Blum ist nicht erschossen worden wegen irgend einer persönlichen Handlung, welche auch nur den Vorwand eines Todesurtheils gegen ihn gerechtfertigt hätte. Vielmehr geben die heute bekannten Acten seines sehr kurzen Processes volle Gewißheit darüber, daß jener Schrei der Entrüstung vollkommen berechtigt war, der bei der Nachricht von seiner Hinrichtung Deutschland durchzitterte von den Gestaden der Nordsee bis zum schwäbischen Meere, und der vom grünen Tische des Gesammtministeriums in Dresden mit derselben Naturgewalt ertönte, wie von den Tribünen des deutschen Parlaments zu Frankfurt und in zahllosen Volksversammlungen: daß in Robert Blum nicht die Person, sondern der Vertreter des deutschen Volkes, die Unverletzlichkeit des deutschen Reichstagsabgeordneten habe gemordet werden sollen; daß mit einem Worte die siegreiche österreichische Reaction in dieser Tödtung symbolisch zeigen wollte, daß sie Alles was seit dem März des großen Jahres 1848 geschehen, nicht anerkenne und nun die Stunde gekommen erachte, um Deutschland wieder das Joch des alten österreichischen Bundestages auf den Nacken zu legen. So gilt denn Robert Blum noch heute mit Recht als eines der edelsten Opfer, welche Deutschland jemals seiner nationalen Freiheit und Einheit gebracht hat.