„Es ist gut, daß uns das Tier nicht überraschte, als wir waffen- und wehrlos mit unserer Malerei beschäftigt waren,“ meinte Monsieur Durand.
„Hoffentlich leckt uns dieser unangenehme Zeitgenosse nicht die frische Farbe ab,“ sagte Doktor Müller und ließ im selben Augenblick, da die Abfahrtssekunde gekommen war, den abarischen Hebel spielen. Dicht vor der Nase des staunenden Meister Petz stieg das Raumschiff in die Höhe und nahm seinen Kurs mit einer Geschwindigkeit von etwa zwei geographischen Meilen in der Sekunde auf die Erde. Sorgfältig untersuchte Doktor Müller seine Vorräte. Man konnte es versuchen, die Geschwindigkeit unter Benutzung der Anziehungskraft der Marsmonde zu steigern. Dementsprechend verfuhr er und erzielte wiederum die alte Reisegeschwindigkeit von vier Sekundenmeilen.
Es folgten die ruhigen Zeiten der Heimfahrt, bis endlich die Erde wieder in ihre Rechte trat. Bereits bedeckte ihre strahlende Scheibe den größten Teil des Horizontes, und jetzt begann sich auch die irdische Atmosphäre durch die Reibung bemerklich zu machen. Wiederum setzten die Landungsmanöver mit wechselnder Abarie und Schwere ein, welche wir bereits von der ersten Landung auf dem Mars kennen. Immer langsamer wurde der Flug des Schiffes, immer mehr schwebte es wie ein Luftballon und schließlich ging es mit kaum fühlbarem Ruck in der nächsten Nähe von Berlin vor Anker. Bereits nach wenigen Sekunden öffneten die Reisenden die Luken und betraten mit Entzücken und in vollem Wohlbefinden wieder den Boden ihres Heimatplaneten, den sie verlassen hatten, um ein unerhörtes Abenteuer zu bestehen.
VIII.
Die Ankunft des Raumschiffes war nicht unbemerkt geblieben. Bereits seit Tagen hatten die Astronomen es mit ihren Fernrohren verfolgt, und als es jetzt nach längerem Luftflug landete, stand eine zahllose Menge bereit, die kühnen Reisenden zu empfangen. Mit tausendstimmigem Hurra begrüßte man die Landung des Schiffes, begrüßte man ferner das Erscheinen der Reisenden selbst. Ein reich geschmückter Staatskraftwagen brachte die beiden zunächst nach der deutschen Hauptstadt. Dort erstatteten sie den ersten vorläufigen Bericht über ihre Fahrt, welcher noch am selben Abend durch Millionen von Extrablättern verbreitet wurde. Dann fuhren sie nach Paris, um dort alle Angelegenheiten bezüglich des Marspreises zu regeln. Doktor Müller gelangte in den Besitz einer Summe von fünfzig Milliarden Mark, in jedem Falle genug, um bei einiger Sparsamkeit auszukommen. Das Restkapital der Stiftung verblieb dem Kuratorium, und es wurde nicht übel angelegt. Diese Art der Anlage, welche vorzüglich dem tatkräftigen Eingreifen des Monsieur Durand zu verdanken ist, läßt sogar den ganzen, an sich nicht ganz einwandfreien Handel betreffend der Rückzedierung von fünfundsiebzig Prozent in einem milderen Lichte erscheinen. Unter der tatkräftigen Führung des ersten Direktors, Monsieur Durand, und des zweiten Direktors, Doktor Müller, ging das Marskuratorium alsbald an die Schaffung regelrechter Marsverbindungen nach Art der großen Ozeandampfergesellschaften, welche im neunzehnten Jahrhundert den Verkehr über den Atlantic vermittelten. Wer die Verkehrsgeschichte aus der ersten Hälfte des zweiundzwanzigsten Jahrhunderts mit einigem Eifer verfolgt, wird immer und immer wieder auf die Namen Durand und Müller stoßen, sei es nun als die Leiter der großen internationalen Erde-Marslinie, sei es auch als die Namen der beiden ersten großen Marsschnellschiffe, welche die Überfahrtszeit zuerst auf einen Zeitraum von weniger als einer Woche herabdrückten. Doch das sind meistens Dinge, die man besser in den technischen Geschichtswerken jener Zeit selbst verfolgt.
Anmerkung zur Transkription
Quelle: Das Neue Universum, Union Deutsche Verlagsgesellschaft, Stuttgart, Berlin, Leipzig, 1908, pp. 1-17.