Der Lotse nickte: »Macht nichts, das Kleine schluckt sich besser und liegt nicht so schwer im Magen. Und es läßt sich gut eins nach dem andern verspeisen.«
Kauend stimmte der Holländer zu, lehnte auch nicht ab, als die Hausfrau ihm noch eine Portion Pastetchen vorlegte, nur bat er sich dazu einen weiteren Schluck Genever aus.
Die Lotsin wollte ihn in das kleine Glas, das dafür bereitstand, füllen, doch auf einen Wink ihres Gatten nahm sie einen schwerfüßigen, farbigen Becher, der eingeschliffen eine bacchantische Szene zeigte. Ehe sie ihn dem Holländer reichte, hob sie ihn an die Lippen:
»Der Schiffahrt Gedeihen!«
»Das ist eine gute Rede, Myfrouw, der muß ich gründlich Bescheid tun!« Der Alte leerte den Pokal in einem Zuge. »Ein feines Stück,« lobte er, nachdem er ihn niedergesetzt hatte und drehte ihn betrachtend.
»Er stammt von einem genuesischen Schoner,« erläuterte der Hausherr. »Es war vor einem Jahr etwa. Das erste Schiff, das ich nach der Schlacht bei Pultawa hereinführte.«
»Es brachte gewürzten griechischen Wein.« Die Hausfrau wies auf ihren Mann: »Ihr könnt's Euch denken, Kapitän, ich hatte meine liebe Not, ihn von dem feurigen Zeug loszubekommen.«
Der Seemann lachte. Es war ein tiefes, sattes Brummen: »Glaub's wohl, Myfrouw. Salzluft macht die Kehle trocken. Und so ein weitgereister Wein …,« er schnalzte mit der Zunge. »Das verstehen freilich die Frauen nicht. Aber ich hab was, das wird Euch gefallen.« Er bückte sich und zog von der Wand her seinen Schnappsack an sich. Mit vieler Umständlichkeit knüpfte er die Bänder auf, nahm ein kleines in Seide eingeschlagenes Päckchen heraus und breitete es mit fast zärtlicher Feierlichkeit aus. Es war spinnwebfeines Leinen.
Die Finger der Lotsin streichelten entzückt den Stoff.
Derb schlug ihr der Gatte auf die Schulter: »Nimm's, Katja, nimm's.« Und neckend fügte er hinzu: »Hast dir nicht träumen lassen, daß so was mal an deinen Leib kommt.«