Manche Nacht hindurch. Viele Nächte lang.

Narwa ergab sich nicht.

Mit eiserner Hand hütete der schwedische Befehlshaber, Graf Horn, seinem Könige das Herz Livlands.

Wochen verrannen. Ein Monat.

Narwa trotzte.

Verbissenen Gesichts schritt der Zar durch die Laufgräben, spähte von den Schanzen gegen den hartnäckigen Gegner. Er hätte gern seine Leute geschont. Es waren ihrer nicht allzuviele. Aber lange konnte er nicht mehr zuwarten. Schon hieß es, Entsatz nahe von der Küste. Zwar er hatte dafür gesorgt, daß den Schweden der Weg nicht leicht wurde. Die Straßen waren zerstört, die Dörfer verbrannt, das Vieh weggeführt worden. Zwischen dem Meer und Narwa gab es keinen Brocken Brot, kein Stück Speck mehr. Da war kein Haus, nicht einmal ein Baum, der Schutz geboten hätte. Nur Wüste. Wüste.

Die dünnen Lippen Peters verzogen sich zu einem böhmischen Schmunzeln: die hungrigen Mägen der Feinde würden seine Verbündeten sein.

Dennoch war es besser, Narwa zu haben, ehe sie eintrafen. Der Sturm mußte gewagt werden. Mochte es ein paar tausend Mann kosten.

Achtsam prüfte er die zerfetzten Erdwerke, die zusammengeschossenen Gräben. Nicht die geringste Abbröckelung der Mauer entging seinem Scharfblick. Lange verweilte er gegenüber dem Osttore. Spähte und spähte. Seine schütteren Brauen zogen sich hoch hinauf. Die spitzen, tabakgedunkelten Zähne nagten an dem Rohr der tönernen holländischen Pfeife.