Seine Hand sank wie geschlagen herab. Leichenblässe überzog sein Gesicht, und in rascher Verwandlung zerbrach das gewalttätige, harte Wesen. Der Jammer, der ihn stets befiel, wenn sein begehrlicher Wille an Schranken stieß, brach über ihn herein. Zuckend drehte er ihm den Kopf wider die Schulter, stieß ihn in die Knie.
Mit einem Blick erkannte Katharina, was sich bereiten wollte. Es trieb sie nicht in schnelle Flucht, wie sonst jeden aus Peters Umgebung. Ihr waren diese Zufälle ja kein ungewohntes Schauspiel, und was dem Sohne des Propstes Glück das Leiden gelindert, mochte auch dem Zaren helfen. Ohne Besinnen bettete sie die schleudernden Glieder in ihren Armen. Alle geflissentliche Zurückhaltung, alle bewußte, stachelnde Abwehr wich von ihr. Nun der große, starke Mann ihr hilflos hingegeben war, öffnete ein weicher Glanz die beherrschten Züge. Zärtlich hielt sie den Ungebärdigen. Die kleine, runde Perücke, die er trug, war herabgeglitten und hatte die kurzen Haare freigegeben. Mit sachter Hand fuhr sie über das dunkle Gewirr. Wieder und wieder. Ganz leise, ganz sanft. Unablässig. Bis das stoßende Aufbäumen ebbte, das Keuchen des Atems still wurde und die erschöpfte Natur hinüberlenkte in den Schlaf.
Unbeweglich hockte sie … Durch Stunden. Es galt ihre Zukunft.
Erst gegen Mittag erwachte der Zar.
Gestärkt, erquickt.
Verhalten, beinahe zögernd, kam die Bitte: »Bleibe bei mir.«
Statt aller Antwort strich sie ihm über die in Bangen gefurchte Stirn. Wie eine Mutter dem trostsuchenden Kinde: langsam, freundlich, fest.