Aber das Vergnügen war noch lange nicht zu Ende, sondern der kleine Schreck war bloß ein Vorspiel gewesen, bloß so zum langsamen Drangewöhnen. Jetzt kam erst das Reelle.
Nämlich auf einmal fällt mir etwas Naßkaltes ins Gesicht und dann etwas Weißes auf den Ärmel, und dann noch etwas und immer noch mehr, hier eine Flocke und da eine Flocke, und es tanzte immer lustiger vor meinen Augen, immer hübsch weiß, immer hübsch weiß; na ja, da haben wir die Bescherung!
Es braucht nämlich kein Mensch zu denken, daß es sich leichter auf Schlittschuhen läuft, wenn man mit dem Eisen durch den Schnee fegen muß, und die Decke alle Minuten höher und höher wird, und man alle Augenblicke in einen dick zusammengewehten Haufen gerät und fast stecken bleibt. Und dann noch einen steifen Südwest gegen sich! Und es braucht auch keiner zu denken, daß es sehr gemütlich ist, wenn man in solcher Einsamkeit nichts mehr um sich her sieht als Flocken und Flocken und Schnee und Schnee und Schnee und keine Spur mehr von dem festen Eis – von Land schon gar nicht zu reden.
Aber da kam's, das Allerschlimmste. Es war zwar bloß so ein ganz feines, schleichendes Knistern unter mir: aber verdammt, das kannt' ich! Weiter war es auch nichts gewesen damals, als ich auf unserem Wiesengraben einbrach: damals hatte ich nicht darauf geachtet, bis ich drin lag. Nur bis an den Bauch damals – aber jetzt! Na, es wird keiner denken, daß ich auch jetzt nicht darauf geachtet hätte! Und ob ich die Beine rührte! Aber das Knistern lief immer sachte hinter mir her, immer dicht mir auf den Hacken, wie so ein vermaledeiter Köter, der knurrt und knurrt und jeden Augenblick zubeißen kann. Und dabei war mir's, als käm' ich nicht von der Stelle, sondern säße da festgenagelt, wo das Eis am dünnsten war.
Und nun also gerade mitten auf dem Haff. Himmeldonnerwetter!
Und dann der Gedanke: mit dem Umkehren ist's jetzt vorbei, über das knackende Eis hinter dir läufst du ungestraft nicht zum zweitenmal. Dahinaus ist die Welt mit Brettern vernagelt!
Na, schön war's nicht: aber wenn einer eben vom hohen Gerichtshof zum Tode verurteilt wird, das soll ja auch nicht schön sein.
Also ich lief und lief wie besessen; und das Knistern lief immer sachte hinter mir her.
Aber das Eis hielt immer noch trotz alledem, und es wollte mir schon ein ganz klein bißchen besser zu Mut werden.
Ich laufe und laufe – da, bums, krach, da liege ich lang ausgestreckt, oder vielmehr, ich liege nicht, sondern fliege im Kreise herum, und der Schädel brummt mir so, daß ich eine schöne Zeit brauche, bis ich ordentlich zur Besinnung komme. Erst denke ich natürlich, ich bin eingebrochen und alles ist aus; und weiß Gott, einen Augenblick war ich ganz zufrieden, daß die Höllenangst ein Ende hatte, und ich das verfluchte Knistern nur nicht mehr hörte.