»Ich bezahlen wollen Billet Antwerpen-London; sechzehn Schilling, sechs Pence!« begann ich entschlossen. »Zweite Klasse. Verstehen Sie?«
»Ich bin nicht der Purser!« sagte der kleine Mann mit düster werdender Miene. »Da müssen Sie ins Bureau hinauf. Dort sitzt das Federvolk. Der dritte Schalter, rechts! Fragen Sie nach Mister Whitley.«
»Aber ich tue kommen von Mister Whitley,« erklärte ich. »Ich tue wünschen sprechen mit Sie, Kapitän Brown, nicht habend bezahlt meine Passage.«
Nach einer Viertelstunde harter Arbeit, an der sich der größere Teil der Gesellschaft beteiligte, verstanden wir uns; aber der Schweiß stand mir auf der Stirn.
»Well,« sagte der Kapitän, »Sie sind eine Kuriosität. Wenn Sie mit Gewalt wollen: her mit dem Geld! Man muß die Ehrlichkeit bei diesen Ausländern ermutigen.«
Er steckte meine einundzwanzig Franken mit wohlwollendem Lachen und unbesehen in die offene Tasche und schüttelte mir die Hand. »Was wollen Sie nehmen? Ein Glas Ale? Einen Sherry? Hallo, Jungen!« – Der Kapitän schien plötzlich von Freunden umringt zu sein. – »Was wollt Ihr nehmen? Brandy? Whisky? Ale, Porter, Stout? Jeder nach Belieben; ich bezahle. Wir trinken auf die Gesundheit dieses Gentleman; meines Freundes. Mister Dingsda. Wie heißen Sie?«
Sie begrüßten mich alle freudig. Der Kapitän erzählte sechsmal hintereinander – eine prächtige sprachliche Übung mit kostenlosen Repetitionen für mich – wie er seinen neuen Freund gewonnen habe. Sie begrüßten mich aufs neue mit allen Zeichen wohlwollender Herablassung und erzählten sich untereinander, wie Kapitän Brown zu seinem neuen Freunde gekommen war. Die feinste der Damen hinter dem Schenktisch wechselte das Zwanzigfrankenstück in ehrliches englisches Geld um. Wer beim ersten Umtrunk Bier genommen hatte, nahm beim zweiten ein Glas Whisky und umgekehrt. Ich selbst wollte heute nicht schon wieder, und so früh am Tag, Ale trinken. Es war mir von Antwerpen her noch zu wohl in Erinnerung. Ich wählte Sherry. Es war ja ebenfalls ein nationales Getränke der Engländer, und die kleinen Weingläschen, die hierfür üblich sind, ließen ein Experiment leichter ausführen und gefahrloser erscheinen. Der Kapitän zahlte alles aus der Tasche, in der sich mein Überfahrtsgeld befand. Er duldete keine Einrede.
»Also nochmals und zum Schluß, meine Herren,« rief er, »auf die Gesundheit dieses Gentleman. Ein ehrlicher, rarer Dutschman, oder was er sonst sein mag! Hipp, hipp, hurra!«
Sie wollten mir offenbar alle Ehre antun. Wir tranken, wir schüttelten uns die Hände; es wurde fast eine Völkerverbrüderung daraus; selbst ein Chinese beteiligte sich schmunzelnd. Warum sollte ich mich sträuben? Sie meinten es sichtlich alle herzlich gut. Mein Sherry hatte eine auffallende Ähnlichkeit mit dem Ale, das mir noch von Antwerpen her in freundlicher Erinnerung lag. Es war nicht ganz dasselbe, aber merkwürdig ähnlich.
Dann trennten wir uns. Der Kapitän begleitete mich bis unter die Türe und versicherte mich wiederholt seiner unbegrenzten Hochachtung. Ich hatte in dieser Stunde einen Freund fürs Leben gewonnen, was ich erst zwölf Jahre später an der Küste von Peru erfahren sollte.