»O Mercuri,« sagte er zu mir, »was bringst du neues von Münster? Vermeinen die Menschen wohl ohn meinem Willen Frieden zu machen? Nimmermehr! Sie hatten ihn. Warum haben sie ihn nicht behalten? Gingen nicht alle Laster im Schwang, als sie mich bewegten den Krieg zu senden? Womit haben sie seithero verdient, daß ich ihnen den Frieden wiedergeben sollte? Haben sie sich dann selbiger Zeit her bekehrt? Seind sie nicht ärger worden und selbst mit in Krieg geloffen wie zu einer Kirmeß? Oder haben sie sich vielleicht wegen der Teuerung bekehret, die ich ihnen zugesandt, darin so viel tausend Seelen Hungers gestorben? Oder hat sie vielleicht das grausame Sterben erschröcket (das so viel Millionen hingerafft) daß sie sich gebessert? Nein, nein, Mercuri, die übrig Verbliebenen, die den elenden Jammer mit ihren Augen angesehen, haben sich nicht allein nicht gebessert, sondern seind viel ärger worden als sie zuvor jemals gewesen. Haben sie sich nun wegen so vieler scharfen Heimsuchungen nicht bekehret, sondern unter dem schweren Kreuz und Trübsal gottlos zu leben nicht aufgehöret, was werden sie dann erst tun, wann ich ihnen den wohl-lustbarlichen, göldenen Frieden wieder zusendete? Aber ich will ihrem Mutwillen wohl bei Zeiten steuern und sie im Elend hocken lassen.«

Weil ich nun wußte, wie man diesen Gott lausen mußte, wann man ihn recht stimmen wollte, sagte ich: »Ach, großer Gott, es seufzet aber alle Welt nach dem Frieden und verspricht eine große Besserung.«

»Ja,« antwortete Jupiter, »sie seufzen wohl, aber nicht meinet- sondern um ihrentwillen. Nicht daß jeder unter seinem Weinstock und Feigenbaum Gott loben, sondern daß sie deren edle Früchte mit guter Ruhe und in aller Wollust genießen möchten. — Ich fragte neulich einen Schneider, ob ich den Frieden geben sollte. Er antwortete es sei ihm gleich, er müsse sowohl zu Kriegs- als Friedenszeiten mit der stählernen Stange fechten. Eine solche Antwort kriegte ich auch von einem Rotgießer, der sagte, wann er im Frieden keine Glocken zu gießen hätte, so wäre im Kriege genug an Stücken und Feuermörsern zu tun. Also antwortete mir auch ein Schmied: er habe keine Pflüge und Baurenwägen zu beschlagen, so kämen ihm im Krieg genug Reuterpferde und Heerwägen unter die Hände, also daß er des Friedens wohl entbehren könne. Siehe nun, lieber Mercuri, warum soll ich ihnen dann den Frieden verleihen? Alle so ihn wünschen, begehren seiner um ihres Bauchs und der Wollust willen, hingegen sind andere die den Krieg wollen, weil er ihnen einträget. Und gleichwie die Mäuerer und Zimmerleute den Frieden wünschen, damit sie in Auferbauung der eingeäscherten Häuser Geld verdienen, also verlangen andere die Fortsetzung des Krieges, im selbigen zu stehlen.«

Weil nun mein Jupiter mit solchen Sachen umging, konnte ich mir leicht einbilden, daß er mir in seinem verwirrten Stand von dem Meinigen wenig Nachricht würde geben können. Nahm also den Kopf zwischen die Ohren und ging durch Abwege nach L.

Daselbst erfuhr ich, vor einen fremden Boten gehalten, daß mein Schweher samt der Schwieger bereits vor einem halben Jahr diese Welt gesegnet, und dann, daß meine Liebste, nachdem sie mit einem Sohn niedergekommen, den ihre Schwester bei sich hätte, gleichfalls stracks nach ihrem Kindbette, diese Zeitlichkeit verlassen.

Darauf lieferte ich meinem Schwager die Schreiben, die ich selbst an meine Liebste und ihre Schwester gerichtet hatte, aus. Derselbe wollte mich nun beherbergen, damit er erfahren könnte, wes Standes Simplicius sei und wie er sich verhielte. Zu dem Ende diskutierte meine Schwägerin lang mit mir von mir selbsten, und ich redete auch von mir, was ich nur Löbliches wußte, dann die Pocken hatten mich dergestalt verderbt und verändert, daß mich kein Mensch erkannte.

Als ich ihr nun nach der Länge erzählte, daß Herr Simplicius viel schöner Pferde und Diener hätte und in einer schwarzen sammeten Mütze aufzöge, die überall mit Gold verbrämt wäre, sagte sie:

»Ich habe mir jederzeit eingebildet, daß er keines so schlichten Herkommens sei, als er sich davor ausgeben. Der hießige Kommandant hat meine Eltern selig mit großen Verheißungen persuadiert, daß sie ihm meine Schwester selig, die wohl eine fromme Jungfrau gewesen, ganz vorteilhaftiger Weise aufgesattelt. Er hat einen Vorrat in Köln gehabt und ihn hierher holen wollen, ist aber darüber ganz schelmischer Weise nach Frankreich prakticiert worden. — Meine Schwester hat ihn kaum vier Wochen gehabt. Weil dann nunmehr mein Vater und Mutter tot, ich und mein Mann aber keine Kinder miteinander erhoffen, haben wir meiner Schwester Kind zum Erben angenommen und mit Hülfe des hießigen Kommandanten seines Vaters Habe zu Köln erhoben, welche sich auf dreitausend Gulden belaufen möchte. Wann also dieser junge Knab einmal zu seinen Jahren kommt, wird er nicht Ursach haben sich unter die Armen zu rechnen. Ich und mein Mann lieben das Kind auch so sehr, daß wirs nicht mehr seinem Vater ließen, wannschon er selbst käme. Ich weiß, wann mein Schwager wüßte, was er vor einen schönen Sohn hier hätte, daß ihn nichts halten könnte hierher zu kommen.«

Indem lief mein Kind in seinen ersten Hosen um uns und ich erfreuete mich vom Herzen. Ich suchte die Kleinodien herfür, so ich hätte meiner Liebsten bringen sollen, und gab sie meinem Schwager vor das Kind, was er mit Freuden empfing.

Mithin drang ich auf meine Abfertigung, und als ich dieselbe bekam, begehrete ich im Namen des Simplicii den kleinen Simplicium zu küssen, damit ich solches seinem Vater als Wahrzeichen erzählen könnte. Als dies nun auf Vergünstigung meiner Schwägerin geschah, fing beiden, mir und dem Kinde, die Nase an zu bluten, darüber mir das Herz hätte brechen mögen, doch ich verbarg meine Affecten. Damit man nicht Zeit haben möchte, der Ursache dieser Sympathie nachzudenken, machte ich mich stracks aus dem Staube.