Sobald sie mich sahe und hörete, lief sie davon, als ob man sie gejagt hätte. Sie hinterließ mich mit all denjenigen Torheiten beladen, damit die verliebten Phantasten gepeinigt zu werden pflegen.

Meine Begierden, von dieser Sonne mehr beschienen zu werden, ließen mich nicht in meiner Einsamkeit, sondern machten, daß ich den Gesang der Nachtigallen nicht höher achtete als ein Geheul der Wölfe. Derhalben tollete ich auch dem Sauerbrunn zu und schickte meinen Jungen voran, die Butterverkäuferin anzupacken und mit ihr zu marken, bis ich hernach käme. Er tät das Seinige und ich nach meiner Ankunft auch das Meinige, aber ich fand ein steinern Herz und solche Kaltsinnigkeit, dergleichen ich hinter einem Baurenmensch nimmermehr zu finden getrauet hätte, welches mich aber viel verliebter machte.

Damals hätte ich entweder einen strengen Feind oder einen guten Freund haben sollen. Einen Feind, damit ich meine Gedanken gegen denselben hätte richten und der närrischen Liebe hätte vergessen müssen, oder einen Freund, der mir ein anderes geraten und mich von meiner Torheit hätte abmahnen mögen. Ach leider, ich hatte nichts als mein Geld, das mich verblendete, meine blinden Begierden, die mich verführeten, weil ich ihnen den Zaum schießen ließ, und meine grobe Unbesonnenheit, die mich verderbete und in alles Unglück stürzete. Mit einem Wort, ich war mit dem Narrenseil rechtschaffen verstrickt und derhalben ganz blind und ohn Verstand. Und weil ich meine viehischen Begierden nicht anders zu sättigen getrauete, entschloß ich mich, das Mensch zu heiraten. Was, gedachte ich, du bist deines Herkommens doch nur ein Baurensohn und wirst deiner Tage kein Schloß besitzen; du hast Geld genug, auch den besten Baurenhof in dieser Gegend zu bezahlen. Du wirst dies ehrliche Baurngretlein heiraten und dir einen geruhigen Herrenhandel inmitten der Bauren schaffen. — Ich erhielt, wiewohl nicht ohne Mühe, das Jawort.

Zur Hochzeit ließ ich trefflich rüsten, dann der Himmel hing mir voller Geigen. Das Baurengut, darauf meine Braut geboren worden, lösete ich nicht allein ganz an mich, sondern fing noch darzu einen schönen, neuen Bau an, gleich als ob ich daselbst mehr hof- als haushalten hätte wollen. Eh die Hochzeit vollzogen, hatte ich daselbst über dreißig Stück Viehe stehen, weil man soviel auf dem Gut erhalten konnte. Ich bestellte alles aufs Beste und sogar mit köstlichem Hausrat, wie es mir nur meine Torheit eingab.

Aber die Pfeife fiel mir bald in Dreck. Dann als ich nunmehr vermeinete mit gutem Wind in Engelland zu schiffen, kam ich wider alle Zuversicht nach Holland. Viel zu spat ward ich erst gewahr, was Ursache mich meine Braut hatte so ungern nehmen wollen. Und ich konnte mein spöttlich Anliegen keinem Menschen klagen. So zahlete ich nach Maß und Billigkeit meine Schulden, was Erkanntnus mich darum doch nichts desto geduldiger, viel weniger frömmer machte. Ich fand mich betrogen und gedachte meine Betrügerin wieder zu prellen, maßen ich anfing grasen zu gehen, wo ich zukommen konnte. Überdas stack ich mehr bei guter Gesellschaft in Sauerbrunn als zu Haus.

Meine Frau war ebenso liederlich. Sie hatte einen Ochsen, den ich ins Haus hatte schlagen lassen, in etliche Körbe eingesalzen; als sie eine Spänsau zurichten sollte, unterstund sie sich solche wie einen Vogel zu rupfen; sie wollte die Krebse am Rost und die Forellen am Spieß braten. Nichts desto weniger trank sie auch das liebe Weingen gern und teilete andern guten Leuten auch mit. —

Einsmals spazierete ich mit etlichen Stutzern das Tal hinunter, eine Gesellschaft im untern Bad zu besuchen. Da begegnete uns ein alter Baur mit einer Geiß am Strick, die er verkaufen wollte. Und weil mich dünkte, ich hätte ihn mehr gesehen, fragte ich ihn, wo er mit der Geiß herkomme.

Er zog sein Hütlein und sagte: »Gnädiger Hearr, eich darffs ouch werli neit sän.«

»Du wirst sie ja nicht gestohlen haben.«

»Nein, ich bring sie aus dem Städtgen im Tal, welches ich eben gegen den Hearrn nit darf nennen, dieweil wir vor einer Geiß reden.«