»Dann eine Vieh säuft nur so viel, als ihm wohl schmäcket und den Durst löschet, weil es nicht weiß, was gut ist. Uns Menschen aber beliebt, daß wir uns den Trunk zu Nutz machen und den edlen Rebensaft einschleichen lassen.«

»Sehr wohl,« sagte der Pfarrer, »es gebühret mir aber das rechte Maß zu halten.«

»Wohl,« antwortete jener, »ein ehrlicher Mann hält Wort,« und ließ einen mäßigen Becher einschenken, denselben den Pfarrer zuzuzotteln. Der hingegen ging durch und ließ den Säufer mit seinem Eimer stehen.

Als der Pfarrer abgeschafft war, ging es drunter und drüber. Es ließe sich an, als wenn die Gasterei einzig Gelegenheit sein sollte, sich gegen einander mit Vollsaufen zu rächen, einander in Schande zu bringen oder sonst einen Possen zu reißen. Wann dergestalt einer expediert ward, daß er weder sitzen, gehen oder stehen mehr konnte, so hieß es: »Nun ist es wett! Du hast mirs hiebevor auch so gekocht. Jetzt ist dirs eingetränkt!« Welcher aber ausdauren und am besten saufen konnte, wußte sich dessen groß zu machen und dünkte sich kein geringer Kerl zu sein. Zuletzt dürmelten sie alle herum, als wann sie Bilsensamen genossen hätten. Einer sang, der ander weinete, einer lachte, der ander traurete, einer fluchte, der ander betete. Der schrie überlaut: Courage! — jener saß stille und friedlich. Einer wollte den Teufel mit Raufhändeln bannen, ein anderer schlief, der dritte plauderte, daß keiner ihm zuvorkommen konnte. Da erzählte einer von seiner lieblichen Buhlerei, der ander von seinen erschröcklichen Kriegstaten. Etliche redeten von der Kirchen und geistlichen Sachen, andere von Politik und Reichshändeln. Teils liefen hin und wieder und konnten nirgends bleiben, teils lagen und vermochten nicht den kleinsten Finger zu regen. Etliche fraßen wie die Trescher, als hätten sie acht Tage Hunger gelitten, andere wußten sich dessen zu entledigen, was sie den Tag eingeschlungen hatten. In summa meine Kunst, darum ich so greulich zerschlagen worden, nur ein Scherz dargegen zu rechnen war.

Endlich satzte es unten an der Tafel ernstliche Streithändel. Da warf man einander Gläser, Becher, Schüsseln und Teller an die Köpfe und schlug mit Fäusten, Stühlen, Stuhlbeinen und Degen, daß endlich der rote Saft über die Ohren lief. Aber mein Herr stillet den Handel.

Da nun wieder Friede worden, nahmen die Meistersäufer die Spielleute samt den Frauenzimmern und wanderten in ein ander Haus, dessen Saal auch einer andern Torheit gewidmet war. Mein Herr ging ihnen nach und ich folget ihm.

Ich sahe in dem Saal Männer, Weiber und ledige Personen so schnell untereinander herumhaspeln, daß es schier wimmelte. Sie hatten ein solch Getrappel und Gejöhl, daß ich vermeinte, sie wären all rasend worden, dann ich konnte nicht ersinnen, was sie doch mit diesem Wüten und Toben vorhaben möchten. Ihr Anblick kam mir grausam, förchterlich und schröcklich vor, daß ich mich entsatzte. Mein Gott, dachte ich, es hat sie gewißlich eine Unsinnigkeit befallen. Vielleicht möchten es auch höllische Geister sein, welche dem ganzen menschlichen Geschlecht durch solch Geläuf und Affenspiel spotteten. Als mein Herr in den Hausflur kam und zum Saal eingehen wollte, hörete die Wut eben auf, nur daß sie noch ein Buckens und Duckens mit den Köpfen und ein Kratzens und Schuhschleifens auf dem Boden machten, als wollten sie ihre Fußtapfen wieder austilgen. Am Schweiß, der ihnen über die Gesichter floß, und an ihrem Geschnäuf konnte ich abnehmen, daß sie sich stark zerarbeitet hatten.

Ich fragte dahero meinen Kameraden, der mir erst kürzlich wahrsagen gelernet, was solche Wut bedeute. Der berichtete mir, daß die Anwesenden vereinbart hätten, dem Saal den Boden mit Gewalt einzutreten. »Warum vermeinst du wohl, daß sie sich sonst so tapfer tummeln sollten,« sagte er zu mir. »Hast du nicht gesehen, wie sie die Fenster vor Kurzweile schon ausgeschlagen?«

»Herr Gott, so müssen wir mit zugrunde gehen und samt ihnen Hals und Bein brechen!«

»Ja,« sagte der Kamerad, »darauf ist's angesehen. Du wirst merken, wann sie sich in Todesgefahr begeben, daß jeder eine hübsche Frau und Jungfer erwischt, dann es pfleget denen Paaren, so also zusammenhaltend fallen, nicht bald wehe zu geschehen.«