»Das kann in der nächsten Occasion probiert werden,« gab ich zu verstehen. Und er ließ mich bleiben.
Hierauf anatomierte ich meines Dragoners Hosen, schaffte mir aus deren Eingeweid noch ein gut Pferd und das beste Gewehr und ließ mich von neuem grün kleiden, weil mir der Name Jäger beliebte. Also ritt ich mit meinem Jungen selbander daher wie ein Edelmann und dünkte mich fürwahr keine Sau zu sein. Ich war so kühn, meinen Hut mit einem tollen Federbusch zu zieren wie ein Offizier, daher bekam ich bald Neider und Mißgönner, und es satzte empfindliche Worte, endlich gar Ohrfeigen. Ich hatte aber kaum einem oder dreien gewiesen, was ich im Paradies von dem Kürschner gelernt hatte, da ließ mich nicht allein jedermann zufrieden, sondern suchte auch meine Freundschaft.
Auf Partei warf ich mich wohl herfür, daß ich in kurzer Zeit bei Freund und Feind bekannt und so berühmt ward, daß beide Teile viel von mir hielten. Allermaßen mir die gefährlichsten Anschläge zu verrichten und ganze Parteien zu kommandieren anvertraut wurden, griff ich bald zu wie ein Böhme und, wann ich etwas namhaftes erschnappte, gab ich meinen Offizierern so reich Part davon, daß ich selbig Handwerk auch an verbotenen Orten treiben dorfte, weil mir überall durchgeholfen ward.
Der General Graf von Götz hatte in Westfalen drei feindliche Guarnisonen übriggelassen zu Dorsten, Lippstadt und Coesfeld, denen war ich gewaltig molest, dann ich lag ihnen bald hier, bald dort schier täglich vor den Toren, und weil ich überall glücklich durchkam, hielten die Leute von mir, ich könnte mich unsichtbar machen und wäre so fest wie Stahl. Davon ward ich geförchtet wie die Pestilenz.
Zuletzt kam es dahin: wo nur ein Ort in Kontribution zu setzen war, mußte ich solches verrichten, wodurch mein Beutel so groß ward als mein Name. Meine Offizierer und Kameraden liebten ihren Jäger, die vornehmsten Parteigänger vom Gegenteil entsatzten sich und den Landmann hielt ich durch Forcht und Liebe auf meiner Seiten, dann ich wußte meine Widerwärtigen zu strafen und die, so mir nur den geringsten Dienst täten, reichlich zu belohnen, allermaßen ich beinahe die Hälfte meiner Beuten verspendierte oder auf Kundschaft auslegte. Derhalben entging mir keine Partei, kein Convoi, noch eine Reis' aus des Gegenteils Posten, alsdann ich ihr Vorhaben durchkreuzte und allen Anschlägen mit Glück begegnete. Darneben erzeigte ich mich gegen meine Gefangenen überaus diskret, sodaß sie mich oft mehr kosteten als die Beute wert war, sonderlich unterließ ichs nicht, denen Offizierern, obschon ich sie nicht kannte, ohn Verletzung meiner Pflicht und Herrendienste eine Courtoisie zu tun.
Durch solch ein Verhalten wäre ich zeitlich zum Offizier befördert worden, wann meine Jugend es nicht verhindert hätte. Wer in solchem Alter ein Fähnlein wollte, mußte ein Guter von Adel sein, zudem mein Hauptmann an mir mehr als eine melkende Kuhe verloren hätte. Also brachte ichs allein zum Gefreiten. Ich spekulierte Tag und Nacht, wie ich etwas anstellen möchte, mich noch größer zu machen und konnte vor solchem närrischen Nachsinnen oft nicht schlafen.
[Das vierzehnte Kapitel]
Ich muß ein Stücklein noch erzählen, das mir begegnet, eh ich wieder von meinen Dragonern kam.