Ja, ich war nur in Gestalt Mensch, mit Namen ein Christenkind, im übrigen eine Bestia. Gott, der allmächtige, sahe meine Unschuld mit barmherzigen Augen an und wählet aus seinen tausenderlei Wegen diesen, mich zu beidem: zu seiner und meiner Erkanntnus zu bringen.
Vorerst stelleten die Reuter ihre Pferde ein, hernach hatte jeglicher seine sonderliche Verrichtung, und jede war lauter Untergang und Verderben. Dann obzwar etliche anfingen zu metzgen, zu sieden und zu braten, als sollte ein lustig Bankett gehalten werden, so waren hingegen andere, die durchstürmten das Haus unten und oben, ja das heimlich Gemach war nicht sicher, gleichsam ob wäre das gölden Fließ darin verborgen. Andere packten Tuch, Kleidung und Hausrat zusammen, als wollten sie einen Krempelmarkt anrichten. Was sie aber nicht mitzunehmen gedachten, ward zerschlagen. Etliche durchstachen Heu und Stroh mit ihren Degen, andere schütteten die Federn aus den Bettzüchen und füllten hingegen Speck, Fleisch und sonstiges Gerät hinein, als seie alsdann besser darauf zu schlafen. Sie schlugen Öfen und Fensterläden ein, gleich als hätten sie einen ewigen Sommer zu verkünden. Kupfer- und Zinngeschirr stampften sie zusammen und packten die gebogenen und verderbten Stücke. Bettladen, Tische, Stühle und Bänke verbrannten sie, da doch viel Klafter dürr Holz im Hof lag. Häfen und Schüsseln mußten entzwei. Unsere Magd ward im Stall dermaßen traktiert, daß sie nicht mehr daraus gehen konnte. Den Knecht legten sie gebunden auf die Erde, steckten ein Sperrholz in sein Maul und schütteten ihm einen Melkkübel voll Jauche in Leib. Das nannten sie den schwedischen Trunk. Zwangen ihn so, etliche von denen Reutern anderwärts zu führen, allda sie Menschen und Viehe hinwegnahmen und in unsern Hof brachten. Auch mein Knän, meine Mutter und unser Ursele waren darunter.
Da schraubten sie die Stein von den Pistolenhähnen ab und anstatt deren die Baurendaumen auf, folterten die armen Schelme, als wollten sie Hexen brennen, maßen sie auch einen von den gefangenen Bauren in Backofen steckten und mit Feuer hinter ihm her waren, unangesehen er noch nichts bekannt hatte. Einem andern schlangen sie ein Seil um den Schädel und drehten es mit einem Holzbengel zusammen, daß ihm Blut zu Mund und Ohren heraussprang. In summa, es hatte jeder seine eigene Erfindung die Bauren zu peinigen.
Mein Knän war meinem damaligen Bedünken nach der Glücklichste, ohn Zweifel darum, weil er der Hausvater war. Sie satzten ihn zu einem Feuer, banden ihn, daß er weder Hände noch Füße regen konnte, rieben seine Sohlen mit feuchtem Salz, das ihm unser alte Geiß wieder ablecken und dadurch also kützlen mußte, daß er vor Lachen hätte zerbersten mögen. (Ich hab Gesellschaft halber vom Herzen mitgelacht.) In solchem Gelächter bekannte er seine Schuldigkeit und öffnete seinen verborgenen Schatz, der von Geld, Perlen und Kleinodien reicher war, als man hinter dem Bauren hätte suchen mögen.
Von den gefangenen Weibern, Mägden und Töchtern vermag ich sonderlich nichts zu sagen, doch weiß ich wohl, daß man hin und wieder in den Winkeln erbärmlich schreien hörte. Schätze, es sei der Mutter und dem Ursele nicht besser gegangen als den andern.
Unter all dem Elend wandte ich den Braten am Spieß und half die Pferde tränken, dadurch ich zu unserer Magd in den Stall kam. Die sahe wunderwerklich zerstrobelt aus, ich kannte sie kaum und sie sprach zu mir mit kränklicher Stimme:
»O Bub, lauf weg, sonst nehmen dich die Reuter mit! Guck, daß du davonkommst! Du siehest wohl, wie es so übel ...«
Mehres konnte sie nicht sagen.