Solches ließ sich der fromme Pfaffe nicht irren, dann er kam mit seiner Köchin prozessionsweis daher, welche zwei Wachslichter in den Händen und einen Weihwasserkessel am Arm trug, er selbsten war mit dem Chorrock bewaffnet samt den Stollen und hatte den Sprengel in der einen und ein Buch in der andern Hand. Aus demselben fing er an, mich zu exorcisieren, fragende: »Wer bist du und was willst du?« — »Ich bin der Teufel und will dir und deiner Köchin die Hälse umdrähen!«
Da fuhr er eifrig in seinem Exorcismo weiter fort und hielt mir vor, daß ich weder mit ihm noch mit seiner Köchin nichts zu schaffen hätte, hieß mich auch mit der allerhöchsten Beschwörung wieder hinfahren, wo ich herkommen wäre. Ich aber antwortete mit ganz förchterlicher Stimme, daß solches unmöglich sei, wannschon ich gern wollte. Indessen hatte Spring-ins-Feld, der ein abgefäumter Erzvogel war und kein Latein verstund, seine seltsamen Tausendhändel auf dem Dach, dann er hörete, daß ich mich vor den Teufel ausgab, und mich auch der Geistliche also hielt. Er wixte wie eine Eule, bellte wie ein Hund, wieherte wie ein Pferd, blökte wie ein Geißbock, schrie wie ein Esel und ließ sich bald durch den Kamin hinunter hören wie ein Haufen Katzen, die im Hornung rammeln, bald wie eine Henne, die legen wollte, dann dieser Kerl konnte aller Tiere Stimmen nachmachen. Solches ängstigte den Pfarrer und die Köchin auf das Höchste, ich aber machte mir ein Gewissen, daß ich mich vor den Teufel beschwören ließe.
Mitten in solchen Ängsten, die uns beiderseits umgaben, ward ich gewahr, daß das Nachtschloß an der Tür, die auf den Kirchhof ging, nicht eingeschlagen, sonder der Riegel nur vorgeschoben war. Ich schob ihn geschwind zurück und wischte hinaus.
Wir liefen in den Busch, weil wir im Dorf nichts mehr zu verrichten hatten. Dort erquickte sich die ganze Partei an dem, was von uns gestohlen worden, und bekam kein einziger den Klucksen darvon, so gesegnete Leute waren wir.
Also lagen wir noch zween Tage an selbigem Ort und erwarteten diejenigen, denen wir schon so lange aufgepaßt hatten. Wir verloren keinen einzigen Mann und bekamen dreißig Gefangene. Ich erhielt doppelt Part, das waren drei schöne Frießländer Hengst mit Kaufmannswaren beladen, was sie in Eil forttragen mochten. Wir retirierten uns mehrer Sicherheit halber auf Rehnen.
Daselbst gedachte ich wieder an den Pfaffen, dem ich den Speck gestohlen hatte, nahm einen Saphir, in einen göldenen Ring gefaßt, aus meiner Beute und schickte ihn von Rehnen aus durch einen gewissen Boten mit einem Brieflein an den Geistlichen.
»Wohlehrwürdiger usw. Wann ich dieser Tagen im Wald noch etwas zu leben gehabt hätte, so wäre kein Ursache gewesen Euer Wohlehrwürden ihren Speck zu stehlen, wobei Sie vermutlich sehr erschröckt worden. Ich bezeuge beim Höchsten, daß Sie solche Angst wider meinen Willen eingenommen, hoffe derowegen um Vergebung. Was den Speck anbelangt, schicke ich derohalben gegenwärtigen Ring mit Bitte, Euer Wohlehrwürden belieben damit Vorlieb zu nehmen. Versichere darneben, daß Dieselbe im übrigen auf alle Begebenheit einen dienstfertigen und getreuen Diener hat an dem, den dero Meßner vor keinen Maler hält, welcher sonst genannt wird
der
Jäger.«
Dem Bauren aber schickte die Partei aus gemeiner Beute sechzehen Reichstaler.
Von Rehnen gingen wir auf Münster und von dar auf Ham und heim nach Soest in unser Quartier, allwo ich nach einigen Tagen eine Antwort von dem Pfarrer empfing.