Ich trat mit doppelt brennender Lunte in angeregtes Feld, stellte mich, als ob ich das alte Zündkraut im Gang abschütte, ich täts aber nicht, sondern rührete nur Zündpulver auf den Deckel meiner Pfannen, bließ ab und paßte mit zween Fingern auf der Pfanne auf, wie bräuchlich ist. Eh ich noch meinem Gegenteil, der mich wohl im Gesicht hielt, das Weiße in Augen sehen konnte, schlug ich auf ihn an und brannte mein falsch Zündkraut auf dem Deckel vergeblich hinweg. Mein Gegner vermeinte, die Muskete hätte mir versagt, und das Zündloch wäre mir verstopft, sprengte dahero mit einer Pistole in der Hand gar zu gierig recte auf mich dar. Aber eh er sichs versah, hatte ich die Pfanne offen und wieder angeschlagen, hieß ihn auch dergestalt willkommen, daß Knall und Fall eins war.

Ich retirierte mich hierauf zu meinen Kameraden, die mich gleichsam küssend empfingen. Die seinigen entledigten ihn aus den Steigbügeln und täten gegen ihn und uns wie redliche Kerle, maßen sie mir auch meinen Handschuh mit großem Lob wiederschickten.

Aber da ich meine Ehre am größten zu sein schätzte, kamen fünfundzwenzig Musketierer aus Rehnen, welche mich und meine Kameraden gefangen nahmen. Ich zwar ward alsbald in Ketten und Banden geschlossen und der Generalität überschickt, weil alle Duell bei Leib- und Lebensstrafe verboten waren.


[Das fünfte Kapitel]

Demnach unser General-Feldzeugmeister strenge Kriegsdisziplin zu halten pflegte, besorgte ich, meinen Kopf zu verlieren. Meine Hoffnung stund auf dem großen Ruf und Namen meiner Tapferkeit, so ich in blühender Jugend durch Wohlverhalten erworben, doch war ich ungewiß, weil dergleichen tägliche Händel erforderten ein Exemplum zu statuieren.

Die Unsrigen hatten damals ein festes Rattennest berannt, waren aber abgeschlagen, da der Feind wußte, daß wir kein grob Geschütz führten. Derowegen ruckte unser Graf von der Wahl mit dem ganzen Corpo vor besagten Ort, begehrete durch einen Trompeter abermal die Übergabe, drohete zu stürmen. Es erfolgte aber nichts als ein Schreiben:

»Hochwohlgeborener Graf etc. wissen dero hohen Vernunft nach, wie übelanständig, ja unverantwortlich es einem Soldaten fallen würde, wenn er einen so festen Ort dem Gegenteil ohn sonderbare Not einhändigte. Weswegen Eure Hochgräfliche Exzellenz mir dann hoffentlich nicht verdenken werden, wann ich mich befleißige zu verharren, bis die Waffen Eurer Exzellenz dem Orte zugesprochen. Kann aber meine Wenigkeit dero außerhalb Herrendiensten in ichtwas zu gehorsamen die Gelegenheit haben, so werde ich sein Eurer Exzellenz allerdienstwilligster Diener

N. N.«